Ein beherztes Nein!

Herzchen bei Twitter? Nein! Wirklich ein beherztes NEIN!

Es war schon gestern Nachmittag der Aufreger in meiner Twittertimeline. Die Fav-Sternchen werden gegen Herzchen ausgetauscht. Für mich der Fehlgriff des Jahres. Warum?

Gefallen Dir die Tweets Deiner Follower denn nicht?
Eine gute Frage, die Robert Weller mir gestern bei Twitter gestellt hat. Die Änderung bei Twitter beinhaltet für mich zwei Problemfelder – den Begriff „gefallen“ und das Symbol „Herz“.

Gefallen ist für mich erst einmal etwas Äußerliches. Ein Bild kann mir gefallen, ein Foto, ein Haus, eine Straße. Das, was Tweets für mich wertvoll macht, sind die Inhalte. Gerade in den letzten Wochen habe ich oft Twittergespräche zu aktuellen, oft auch heiklen, Themen geführt. Es ging zum Beispiel um Vorratsdatenspeicherung, Überwachung, Netzneutralität und Meinungsfreiheit. Themen, die mir nicht „gefallen“ und Tweets zu diesen Themen, die mir nicht „gefallen“, die mich aber anregen, nachdenklich machen und herausfordern. Ein „Fav“ war oft eher die Kenntnisnahme einer Position, eines Links, einer Anregung zur Vertiefung.

Noch unpassender ist für mich das Herz. Gute Gespräche brauchen oft den Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Nähe, weil durch das intensive Gespräch durchaus der Moment einer digitalen Nähe da ist, Distanz, weil ich trotzdem hinterfragen möchte – sowohl meine eigene Position als auch die der anderen. Dieses Spiel von Nähe und Distanz, die Möglichkeit des Zurücktretens und des Perspektivenwechsels paßte zum Sternchen, zum Herzchen paßt es nicht. Das Herzchen biedert sich an und läßt vieles albern und belanglos erscheinen.

Wird die Welt denn besser, wenn wir überall Herzchen verteilen?
Ich bin meistens durchaus optimistisch und positiv eingestellt und wünsche mir oft, daß wir positiver mit Veränderungen umgehen, Chancen sehen und aus einem „dagegen“ eine Vision entwickeln. Das schaffen wir aber nicht, wenn wir wahllos mit Herzchen um uns werfen. Die Herzchen führen eher zu einer rosaroten Zuckerguß-Atmosphäre, die wichtige Themen und Diskussionen überdeckt.

Herzchen für Geschäftsthemen?
Allwöchentlich bekomme ich EMails von Twitter, wie ich Twitter besser für geschäftliche Themen einsetzen könnte. Aber ehrlich Twitter: Herzchen für geschäftliche Themen? Jemand bedankt sich für einen guten Rat und ich soll mich mit einem Herzchen „bedanken“? Wirklich??

Es mag an mir liegen, es mag an meinem Themen und meinen Interessen liegen – aber für mich sind die Herzchen und auch das „gefallen“ (oder „liken“) völlig unpassend. Ich werde das dementsprechend auch nicht nutzen. Wenn Twitter mir kein passendes Symbol zur Verfügung stellt, dann kann und muß ich halt verbal Sternchen verteilen – zum Beispiel wie gestern von Daniel Lücking vorgeschlagen – #Fav.

Und bitte Twitter – hört auf mir zu erzählen, wie genial man Twitter für Geschäftszwecke einsetzen kann. Bis gestern war ich durchaus Eurer Meinung. Aber da ich weder im Familienrecht noch im Bereich Partnerschaftsvermittlung arbeite, paßt Eure Veränderung nicht zu meinem Verständnis von geschäftlichen Vorgehensweisen!

Ein Gedanke zu „Ein beherztes Nein!

  1. Ganz Deiner Meinung.

    Der Schritt von Twitter Richtung Herz war falsch! Ich persönlich finde es absolut unpassend und blöd.
    Am Ende wird es aber vermutlich doch nicht reichen, Twitter deswegen zu verlassen.

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