Was 140 Zeichen bewirken können …..

Vor 500 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht, in dieser Woche hat sich Eric Posner mit 20 Thesen über Twitter beschäftigt. Seine Thesen riefen relativ schnell viele ablehnende Reaktionen hervor – so zum Beispiel die genialen Tweets von @textautomat, den Hashtag #ohneTwitter und auch den Blogbeitrag Die wahre Kraft der 140 Zeichen.

Die zwanzig Thesen von Posner haben sofort meinen heftigen gedanklichen Widerspruch erregt. So heftig, daß ich endlich mal wieder einen Blogbeitrag schreibe. Meine Sicht auf Twitter ist natürlich subjektiv – aber ich möchte meine insgesamt positiven Erlebnisse und Erfahrungen doch teilen.

1. Ich habe Twitter eine gewisse Zeit eher „ignoriert“. Ich habe mich im Sommer 2009 angemeldet, es nur gelegentlich genutzt und bin erst seit 2012 auf Twitter wirklich aktiv und vernetzt. Warum habe ich mich angemeldet? Es war eher Neugier. Ich wollte ausprobieren, worüber die anderen ständig sprachen und – da hat Heiko in seinem Blogbeitrag recht – ich bin geblieben, weil es anders war und sich überraschend anders entwickelt hat, als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe vieles gefunden, was ich nie gesucht hätte und was doch sinnvoll, bereichernd und „nützlich“ war. Es ging mir nie um „Einfluß“ oder „Informationssuche“.
Im Laufe der Zeit haben sich bei mir folgende Gründe für die fortgesetzte Twitternutzung herauskristallisiert:
– Gespräche: zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Thema ergeben sich auf Twitter oft wunderschöne Gespräche und spannende Diskussionen, gefühlt hat immer jemand ein „offenes Ohr“.
– Vernetzung: Twitter ist ein wunderbarer Ort, um neue Menschen „kennenzulernen“, Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen.
– Informationen sammeln: gerade da, wo ich nicht/im Moment nicht aktiv nach etwas suche, liefert mir Twitter oft ungefragt spannende Informationen – das können Büchertipps, Ausflugsvorschläge, fachliche Links oder Veranstaltungshinweise sein. Für mich ist Twitter in einem gewissen Ausmaß ein „Finden ohne Suchen“.

2. Ich habe Twitter eigentlich nie für eine gezielte Suche nach einem Stichwort eingesetzt. Da suche ich tatsächlich eher mit klassischen Suchmaschinen. Twitter liefert mir eher – ungefragt – „Informationen“, nach denen ich gerade nicht suche. Dieses „Finden ohne Suchen“ ist natürlich ziemlich zeitintensiv – wieviele spannende Links habe ich angeklickt und die dahintersteckenden Texte gelesen, weil ich nur mal kurz in die Twittertimeline geschaut habe. Twitter liefert mir eine andere Art der „Informationskultur“ – ich finde Informationen, die andere Menschen teilen wollten – weil sie sie wichtig finden, weil sie sich darüber ärgern, weil sie sich darüber freuen. Dieses Teilen gehört für mich untrennbar zur Idee der sozialen Netzwerke. Es ist dieses „first give then take“.
Ich habe früher bei Veranstaltungen immer für mich handschriftlich Notizen gemacht. Diese Notizen habe ich dann abgeheftet und (eher selten) später mal angeschaut. Ab 2012 habe ich begonnen, das was ich mir sonst handschriftlich notiert habe, zu twittern. Eine spannende Erfahrung – weil ich plötzlich über meine „Notiztweets“ in Gespräche mit anderen Menschen kam. Es kamen Rückfragen, ergänzende Hinweise und plötzlich kam in eine „einsame Angelegenheit“ (das Zuhören bei Vorträgen) eine spannende Dynamik, die ich nicht mehr missen möchte.
Weder Google noch eine Zeitung können diese Funktionen erfüllen.

3. Tweets sind von Menschen geschrieben – von Menschen, denen ich – aus welchen Gründen auch immer – folge. Wenn diese Menschen empört sind, dann ist das für mich eine wichtige Information. Es mag durchaus sein, daß ich die in einem Tweet geäußerte Empörung nicht oder nicht im selben Ausmaß teile. Ich lerne aber dadurch, was den jeweiligen Menschen wichtig ist und das ist keineswegs „dürftig“; ganz im Gegenteil es macht die Persönlichkeit dieser Menschen aus, das sie zeigen – zeigen können und zeigen wollen -, was ihnen wichtig ist. Ich bewundere viele dieser Menschen für den Mut und die Kraft, mit der sie gegen Unrecht, Elend und Gemeinheiten eintreten und ich bin dankbar dafür, daß sie immer wieder ein kleines Stück ihrer Welt mit mir teilen und mich nachdenklich machen.

4. Besser als Heiko in seinem Blogbeitrag kann ich es nicht ausdrücken. Jedes Gespräch, jeder kleine Twitteraustausch ist Kommunikation und jede gelungene Kommunikation kann (vor allem längerfristig) etwas bewirken. Gerade die „Verstörung“ oder „Irritation“, wenn man etwas liest, was zum eigenen Weltbild nicht paßt, kann auf lange Sicht sehr wirksam sein.

5. So mancher Tweet hat mich schon überzeugt – ein bestimmtes Buch zu lesen (danke für die Empfehlung von Gaito Gasdanow), eine Ausstellung zu besuchen, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Gerade diese Überzeung im Kleinen – ich halte einen Menschen und seine Empfehlung für glaubwürdig und folge ihr deswegen – ist ungemein wichtig. Gerade die Vielfalt meiner Timeline „zwingt“ mich immer wieder, mich mit neuen Themen und Fragen auseinanderzusetzen. Immer wieder eine Herausforderung aber auch ein Grund zu großer Dankbarkeit.

6. Die Frage ist nicht wirklich, was der Zweck von Twitter ist, sondern ob ich meine Zwecke/Ziele mit Twitter umsetzen kann. Meine Ziele Gespräche, Vernetzung und Informationen sammeln lassen sich bisher wunderbar mit Twitter erreichen.

7. Wenn ich eine Bestätigung meiner Überzeugungen suche, dann kann ich die überall finden – in der Zeitung, im Fernsehen, bei Facebook und natürlich auch bei Twitter. Aber Twitter erlaubt es mir gerade auch einseitig Menschen zu folgen, die ein komplett anderes Weltbild und andere Meinungen als ich haben. Twitter erlaubt mir eine Vielfalt, die ich „so“ an anderer Stelle bisher nicht gefunden habe.

8. Mein erster Gedanke ist: ja, und? In der Regel führe ich auch im echten Leben keine Selbstgespräche. Menschen sprechen miteinander, äußern sich in unterschiedlichen Formen und an unterschiedlichen Orten. Dank der technischen Entwicklung ist dieses „Gespräch“ jetzt nicht auf persönliche Treffen und Briefe beschränkt. Auch früher habe ich mir bei jedem Brief, den ich an jemanden geschrieben habe, eine Reaktion erhofft. Einen Antwortbrief, einen Anruf. Das macht Interaktionen aus und das unterscheidet das menschliche Leben auch vom (einseitigen) Lesen der Zeitung. Das Lesen der Zeitung wird doch irgendwie erst spannend, wenn ich jemandem davon erzähle. Weißt Du, was ich heute gelesen habe ……
Durch die Vielzahl der potentiellen Leser/Empfänger ist aber manches einfacher: ich reagiere dann, wenn ich mich wirklich angesprochen fühle – wenn ich etwas teilen, hinterfragen oder kritisieren möchte, wenn mir der Mensch oder das Thema wichtig ist. Es ist die Freiheit, ob, wann und wie ich auf einen Tweet reagiere.

9. Fav, Like und Retweet sind Rückmeldungen der virtuellen Welt, die Botschaft daß man einen Inhalt für so wichtig befindet, daß auch andere sich damit beschäftigen sollen. Wie oft habe ich auch in persönlichen Gesprächen Bücher, Artikel oder Webseiten empfohlen. Natürlich freue ich mich auch über Favs und Retweets, aber ich twittere nicht mit dem Ziel, so viele Favs oder Retweets wie möglich zu bekommen. Viel wichtiger ist es mir, mit anderen in ein Gespräch zu kommen!

10. Nein, es ist nicht gleichgültig, warum jemand auf einen Tweet reagiert. Ganz und gar nicht – auch wenn ich das nicht immer klar erkennen kann. Es geht für mich auch nicht um Macht, eher um die Frage ob ich Menschen „finde“ oder „erkenne“, die sich auch für das jeweilige Thema interessieren oder die über bestimmte Dinge/Fragen nachdenken. Manchmal – bei „Alltagsgesprächen“ – geht es auch einfach nur darum, einen Moment der virtuellen Nähe in einer weiten großen Welt herzustellen. Wie schön ist es, wenn mehrere Menschen ein bestimmtes Gericht mögen, ein bestimmtes Buch toll finden oder sich über ein Erlebnis austauschen. Das schafft einen Moment der positiven Verbindung und aus dieser Verbindung kann Gutes entstehen.

11. Was retweete ich eigentlich? Tweets zu Themen, die ich spannend finde, Tweets, die ich inhaltlich wichtig finde und oft auch Hinweise oder Fragen. Sicherlich geht es an manchen Stellen auch um meine Überzeugungen und natürlich wähle ich ganz subjektiv aus, was ich überhaupt retweete. Aber die Menschen in meiner Timeline erhalten ihre Informationen wiederum aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Tweets und bilden sich daraus eine eigene spannende Meinung.

12. Einen Tweet retweete ich dann, wenn er mich „anspricht“, wenn er mir inhaltlich wichtig ist oder wenn ich damit jemandem helfen kann. Ein Tweet, der einfach nur die Meinung einer (tatsächlichen oder vermeintlichen) Mehrheit wiedergibt, ist für mich nur insoweit wichtig, als ich etwas über den twitternden Menschen erfahre. Menschen, die in Tweets Fragen stellen oder sich an Themen/Thesen herantasten sind mir gedanklich näher als Menschen, die forsch ablehnen oder zustimmen. Manchmal hinterfrage ich solche Tweets – weil ich chronisch neugierig bin. Und manchmal bereue ich auch die Nachfrage – aber auch damit lerne ich viel über mich selbst und über die Menschen in meiner Timeline.

13. Es stimmt schon, der Ton macht die Musik. Abfällige Tweets sind in meiner Timeline eher selten, empörte Tweets gibt es durchaus. Aber was macht einen „empörten Tweet“ aus? In meiner Timeline ist Emörung kein „Stilmittel“ oder „Gestaltungsmerkmal“, sondern eher Ausdruck einer Enttäuschung, einer unerfüllten Sehnsucht nach einer besseren Welt. Da schwingt viel Idealismus mit. Diese Sehnsucht und diesen Idealismus zu spüren gibt mir auch immer wieder Hoffnung, daß sich Dinge positiv verändern können. Gerade weil es Menschen gibt, denen viele Dinge, auf die ich nicht/nicht so achte, wichtig sind. Wir brauchen in unserer Gesellschaft Menschen, die Fehlentwicklungen und Mißstände benennen. Es ist oft unbequem und schmerzhaft, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und so mancher Tweet erinnert mich dann daran, daß es Themen gibt, mit denen ich mich wenig oder gar nicht beschäftige.

14. Ist die Nutzung von Twitter mühelos? Es gibt sie, diese leichten und fröhlichen Gespräche, wo man problemlos „lostwittern“ kann und keine Angst haben muß, den falschen Ton zu treffen. Wie oft aber überlege ich, ob ich überhaupt antworte oder wie ich eine Antwort am besten formuliere. Gerade die Beschränkung auf 140 Zeichen erfordert die Mühe, sich wirklich zu überlegen, was bei den anderen Menschen ankommen könnte, was bei ihnen ankommen soll. Es gibt Sternstunden, in denen geniale Gespräche mit einer Leichtigkeit erfolgen und wo bisher Fremde zu virtuellen Freunden werden, wo Verbindungen entstehen. Es gibt aber auch die mühevollen Versuche sich zu erklären, Fragen zu stellen, anderer Meinung zu sein. Nein, Twittern ist für mich nicht mühelos – aber die Mühe wird meistens belohnt!

15. Negative Reaktionen sind in der analogen Welt genauso schwierig wie in der virtuellen Welt. Eine negative Reaktion ist wie ein unerwünschtes Feedback. Will ich wirklich eine (negative) Antwort, wenn ich etwas twittere? Jein. Natürlich ist mir eine positive oder nachfragende Antwort lieber. Aber eine negative Reaktion kann sehr wertvoll sein. Natürlich muß ich dann erst schlucken, muß überlegen ob und wie reagiere, muß mindestens einmal um den Schreibtisch herumlaufen. Aber eine negative Reaktion, die nicht mich als Mensch angreift, sondern meinen Tweet/meine Äußerung ist immer auch eine Gesprächs- und Lernchance, auch wenn es manchmal schwerfällt diese Chance zu sehen.

16. In unserem Leben haben wir unterschiedliche Rollen. Wir versuchen immer wieder, die tatsächlichen oder vermeintlichen Erwartungen, die an diese Rollen geknüpft sind, zu erfüllen. Das ist schon in der „analogen Welt“ nicht einfach. In meiner Rolle als Anwältin verhalte ich mich anders als in meiner Rolle als Dozentin. Als Anwältin ist mir das (wirtschaftliche) Ziel der Mandanten wichtig, als Dozentin bin ich zwar auch Expertin, aber ich möchte viel mehr mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutieren, (mögliche) Entwicklungen aufzeigen und auf Stolperfallen hinweisen. Hinzu kommen die eher privaten Rollen als Familienmitglied und als Freundin. Schon in der analogen Welt lassen sich diese Rollen nicht immer wirklich trennen, in der virtuellen Welt ist das nicht einfacher. Mit mehreren Twitterkonten kann man natürlich mehrere Rollen „spielen“ (spannend sind in dieser Hinsicht zum Beispiel auch Accounts von Haus- oder Stofftieren, die ihren Eigentümern ganz neue Möglichkeiten geben, eine andere Perspektive und Rolle einzunehmen). Bei meinem Haupttwitteraccount ist die Definition der Rolle und der damit verbundenen Erwartungen (an mich und von mir) ein durchaus spannendes Thema. Welche Seiten von mir zeige ich bewußt und gerne, welche Seite zeige ich (zum Beispiel durch Reaktionen) auch unbewußt? Inwieweit kann und will ich es mir erlauben, „aus der Rolle zu fallen“? Spannende Fragen, die ich irgendwann an anderer Stelle vertiefen sollte. Mir ist es jedenfalls zu einfach und zu eindimensional, nur auf das Aufrechterhalten bestimmter Eindrücke und das Vermeiden von kontroversen Meinungsäußerungen zu achten. Das mag zu machen Rollen passen, verallgemeinern läßt sich das nicht.

17. Ja, Tweets können zu Mißverständnissen und Meinungsverschiedenheiten führen. Das habe ich auch schon erlebt und manchmal ist das auch schmerzhaft. Aber immer wieder habe ich auch erlebt, daß sich das Netz solidarisch zeigt, daß Twitter Menschen verbindet und die Einsamkeit für einen Moment aufhebt. Es gibt Menschen, die verbinden, es gibt Themen, die verbinden und es gibt Tweets, die verbinden. Nicht immer, nicht täglich – aber oft genug, um Twitter als guten Ort wahrnehmen zu können. Ich möchte an dieser Stelle zwei Beispiele nennen, die leider schon verstorbene Menschen betreffen:
– Johannes Korten, der das Netz als guten Ort bezeichnete
– Sabine Nowak, die als @missmarple76 zahlreiche Menschen mit Hilfe von Twitter und lokalen Veranstaltungen vernetzt hat und für die twitternde Menschen gemeinsam eine Gedenkanzeige ermöglicht haben.

Für mich ist gerade die Vielfalt der Ansichten, Interessen und Themen eine Bereicherung. Nicht immer bin ich über die Vielfalt sofort begeistert, manchmal schlucke ich schwer, spüre inneren Widerstand, bin verärgert – aber schon wenn ich darüber nachdenke, warum mich etwas ärgert, berührt, traurig macht ist dies auch ein Lernen für mich.

18. Natürlich können Tweets (vor allem unbedachte Tweets) auch das „Bild“, das Menschen von einem haben, beschädigen. Tweets können das Bild aber auch ergänzen, vervollständigen, verschönern. Tweets sind insofern Mosaiksteine, die zum Bild dazugehören – manche sind schön, manche halt nicht.

19. Nicht Twitter liefert mir eine Bestätigung, sondern die Menschen, die twittern „liefern“ mir Gesprächsanlässe, Gespräche und Denkanstöße. Für mich ist das ungeheuer wertvoll und ich denke an viele Twittergespräche gerne zurück!

20. Twitter als wertezerstörende Technologie? Es ist immer die Frage, wie wir Menschen, wir Nutzer die Technologie nutzen. Es mag durchaus Nutzungsarten geben, die meinen Werten nicht entsprechen. Das bekomme ich aber in der Regel nicht mit, da ich zwar vielen Menschen mit durchaus unterschiedlichen Ansichten folge – aber für mich der „respektvolle Umgang“ miteinander eine Grundvoraussetzung ist. Gerade in meiner Timeline war das Thema „Werte“ in den letzten ein bis zwei Jahren relativ oft ein Gesprächs- und Diskussionsthema – eben in der Hinsicht, wie wir selber mit Werten umgehen, was für uns wichtige Werte sind und wie wir diese Werte „bewahren“ können. Es sind nicht die Technologien an sich, die Werte zerstören, sondern das, was wir Menschen mit diesen Technologien und Möglichkeiten machen können. Wir können Gutes oder Schlechtes bewirken – das ist bei der Nutzung von Twitter nicht anders als bei anderen Themen.

Fazit
Für mich ist die Twitternutzung – trotz vieler Änderungen, die ich nicht mag, trotz mancher mühsamer Diskussion, trotz mancher unschöner Tweets – immer noch etwas, was ich als positiv empfinde, was mir Spaß macht und was mich „weiterbringt“. Daher bin ich auch über die 20 Thesen von Heiko dankbar, der mir wirklich in vielem aus dem Herzen spricht!

Ohne Twitter wären mir viele Menschen nicht „begegnet“, die heute virtuell oder auch analog mein Leben bereichern.

Grundlos nett?

Heute ist der „Tag der grundlosen Nettigkeiten“ – ein Thema, das gut zu meinem letzten Blogbeitrag zum „Tag der Komplimente“ paßt. Verwirrend ist für mich die Verbindung von „nett“ und „grundlos“.

Nett?
Was bedeutet es eigentlich „nett“ zu sein? Oder wann empfindet man andere Menschen als „nett“? Für mich ist „nett“ vor allem ein Synonym für freundlich. Ich empfinde mich selbst als nett oder freundlich, wenn ich andere Menschen (auch unbekannte Menschen) begrüße, ihnen zum Beispiel ein schönes Wochenende wünsche, ihnen die Tür aufhalte oder mich bedanke, wenn mir die Tür aufgehalten wird. Es sind die kleinen Interaktionen des Alltags, die auch einen grauen Tag etwas sonniger und wärmer erscheinen lassen. Das freundliche Lächeln im Bus, im Supermarkt, im Café, ein freundliches Wort in tausendfach wiederkehrenden Alltagssituationen. Durch diese kleinen „netten“ und „freundlichen“ Interaktionen entsteht manchmal ganz zart eine Verbindung zwischen den Menschen, ein einzelner Faden, der sich – wenn er entsprechend gepflegt und verstärkt wird – im Laufe der Zeit zu einem Netz ausweiten kann.

Grundlos?
Braucht Freundlichkeit wirklich einen Grund? Es ist dieser Punkt, der mich verstört und verwirrt. Es klingt so, als ob ich am Ende eines Tages sagen könnte: Heute war ich freundlich, weil ….. Das empfinde ich für mich als falsch. Ja, manchmal (an besonders grauen Tagen) muß ich schon bemühen, freundlich zu sein. Das Lächeln oder der Wunsch für ein schönes Wochenende geht auch mir nicht immer und nicht bei jedem Menschen leicht über die Lippen. Was ist also der „Grundzustand“? Begründet freundlich (weil ich mir etwas davon verspreche) oder grundlos unfreundlich (weil es leichter ist, sich nicht anzustrengen)? Was auf den ersten Blick nach einer banalen Frage aussieht, hat beim zweiten Blick mehr Bedeutung und Brisanz für die heutige Zeit als ich anfangs dachte. Die Frage, wie einander unbekannte oder wenig bekannte Menschen sich begegnen, egal ob online oder offline, bestimmt sehr stark, wie wir miteinander umgehen. Sehen wir uns gegenseitig als freundlich und friedlich gestimmt – eben als Menschen – oder sehen wir uns (oder manche von uns) eher als Gegner, als Feinde. Dazu paßt die Geschichte „Der Tempel der 1000 Spiegel“ ganz wunderbar – wer diese (kurze) Geschichte noch nicht kennt, sollte sie unbedingt lesen.

Gesellschaft als Spiegel?
Es heißt so schön „wie man in den Wald hineiruft, so schallt es heraus“ und das paßt auch gut zu der Geschichte mit den 1000 Spiegeln. Da wo ich es schaffe freundlich aufzutreten, da erlebe ich meistens auch grundsätzlich freundliche Reaktionen. Freundliche Reaktion heißt dabei nicht, daß Menschen dann meine Meinung teilen oder meine Wünsche oder Forderungen erfüllen. Es ist einfach erst einmal die Ebene, auf der wir über Meinungen, Wünsche oder Forderungen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – überhaupt sprechen können. Es ist in gewissem Sinn die grundlegende Botschaft „ich bin ok, Du bist ok“, die ein (gutes) Gespräch überhaupt erst ermöglicht.

Nur da wo ich selber andere Menschen so behandele, wie ich auch behandelt werden möchte, habe ich eine Chance, selber „gut“ und „freundlich“ behandelt zu werden. Diese Chance habe ich bei jeder neuen Interaktion, bei jedem neuen Kontakt immer wieder. Diese Chance habe ich auch dann, wenn eine Interaktion gerade schlecht gelaufen ist, wenn ich mich geärgert habe, wenn ich mich selbst oder andere als unfreundlich empfinde. Das Leben bietet laufend neue Chancen!

Schaffen wir es gerade in diesem Jahr bei allen Unterschieden in unseren Meinungen und Einschätzungen freundlich miteinander umzugehen? Ich werde versuchen, meinen Teil beizutragen!

Heute schon etwas Nettes gesagt oder geschrieben?

Heute ist der Tag der Komplimente. Ein Tag, dessen Bezeichnung mich gerade angesichts der an vielen Orten zunehmenden „Kommunikationsunkultur“ einerseits ein bißchen ratlos macht, andererseits dazu motiviert über mein eigenes Kommunikationsverhalten (gerade auch in sozialen Medien) nachzudenken.

Das Spiel mit Nähe und Distanz
Vor ein paar Jahren habe ich an der Akademie der Ruhr-Universität eine zweijährige Weiterbildung im Bereich Mediation und Konfliktmanagement absolviert. Es war eine Zeit, in der ich natürlich viel über Mediation, Konflikte und Methoden zur Konfliktlösung gelernt habe. Gleichzeitig habe ich aber auch viel über mich selbst gelernt – gerade auch im Hinblick auf mein Auftreten, meine Selbstwahrnehmung und die (jeweilige) Fremdwahrnehmung. Kommunikation spielt da natürlich eine große Rolle. Es war interessant und gleichzeitig eine Herausforderung, dieses Thema auch in der Studienarbeit zum Thema Kooperation zu vertiefen. Meine berufliche Herangehensweise, die sich auch in meiner Kommunikation zeigt, ist von der Tendenz her „kritisch-analytisch“. Eine Herangehensweise, die natürlich mit einer gewissen Distanz verbunden ist. Diese Distanz empfinde ich für mich im beruflichen Bereich als hilfreich und notwendig, vor allem um (rechtliche) Probleme überhaupt zu sehen und ansprechen zu können. Die (fast natürliche) Folge ist eine eher fehler- und defizitorientierte Gesprächskultur – ich sehe das, was fehlt, was falsch ist, was problematisch ist und auch mir wird eher berichtet, was fehlt, noch nicht fertig ist, noch gemacht werden muß. Dank und Lob gibt es natürlich auch – aber schon eher selten und in eher kleinen Portionen. Ich schreibe das nicht, weil ich jetzt bemitleidet werden möchte, sondern eher als Ausgangspunkt meiner Überlegungen, die auch mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun haben.

Kooperation ist aber gerade auch das Herstellen von Nähe – kommunikativer Nähe. Das war für mich ein durchaus schwieriger Aspekt, mit dem ich mich für meine Studienarbeit bewußt beschäftigen mußte.

Meine damalige Aufgabe an mich: etwas Nettes schreiben
Im Januar 2012 durfte ich meine Studienarbeit als erste in unserer Gruppe präsentieren. Ich hatte lange überlegt, wie ich das Thema angehe. Schriftlich hatte ich zu dem Thema Nähe und Distanz einige persönliche Absätze geschrieben, aber ich wollte das, was ich gelernt hatte, auch in der Praxis „zeigen“. Nach längerem Nachdenken kam ich auf die Idee für jeden Teilnehmer der Weiterbildung einen eigenen Briefumschlag mit einer freundlichen Botschaft zu schreiben. Bei einigen, mit denen ich damals befreundet war, fiel mir das ziemlich leicht. Bei einigen weiteren, mit denen ich mich gerne unterhielt, war das auch noch ziemlich einfach. Aber bei einigen war es auch ziemlich schwierig. Nicht jeder Kursteilnehmer war mir in den zwei Jahren gleichermaßen ans Herz gewachsen ……. Ich weiß heute nicht mehr, was ich den Einzelnen geschrieben habe und das ist auch nicht wichtig. Es war das bewußte Durchbrechen von Distanz und kritischer Analyse, die für mich ein besonders schönes Erlebnis war.

Und was hat das mit dem Tag der Komplimente zu tun?
Meine damalige Erfahrung hat interessanterweise viel mit dem Tag der Komplimente zu tun. Ich sehe einerseits oft sehr überschwängliche Worte, die ich selber nicht nutzen würde (Beispiel: die wunderbare X, der wunderbare Y), ich sehe andererseits oft sehr harte Worte, die aufgrund der räumlichen Distanz und der Wortwahl als noch einmal härter wahrgenommen werden, als sie (vermutlich) gemeint sind. Aus harten Worten werden dann oft harte und feindliche Schlagabtäusche, die mit Gesprächen und Kommunikationskultur nichts mehr zu tun haben. Wie wahr fühlt sich da oft der Ausspruch „der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ an.

„Dummerweise“ können wir aber nicht allein existieren. Der Ausspruch „Niemand ist eine Insel“ macht das deutlich – Gesellschaft braucht eine gewisse (kommunikative) Nähe. Diese Nähe kann durch einen Gruß, ein freundliches Wort oder ein Lächeln entstehen. Nadia Zaboura hat das auf Twitter vor kurzem als „soziales Gewebe“ bezeichnet. Eine schöne Bezeichnung wie ich finde.

Das Gewebe der freundlichen und netten Äußerungen
Der Begriff des Kompliments hat mir immer Bauchschmerzen bereitet, weil das lobende oder schmeichelnde Element so stark herausklang. Es stellt sich jedoch ganz anders dar, wenn wir eher an wohlwollende oder freundliche Äußerungen denken. Komplimente sind dann nicht mehr „freundliche Lügen“ (Du siehst heute aber gut aus) oder aktueller „alternative facts“, sondern ein Faden im Gewebe der Gesellschaft – ein Faden, der ein Gespräch werden kann – was wiederum wunderbar zum Begriff des „Threads“ (Gesprächsfaden) paßt. Wenn aus einzelnen Fäden ganz viele Gesprächsfäden werden, dann können wir gemeinsam Gesellschaft gestalten.

Ja, mir fällt es heute noch weniger als damals (für meine Kurskollegen) leicht, gute und freundliche Worte für die Menschen zu finden, deren Einstellungen, Worte und Handlungen ich ablehne. Aber mit völliger Ablehnung spiele ich das Spiel mit und schneide Fäden ab und ich habe gerade nicht das Gefühl, das zerschnittene Fäden ein gutes soziales Gewebe sind. Vielleicht schaffe ich es nicht, die Worte zu schreiben oder auszusprechen – aber (und auch das ist etwas, was ich aus der Weiterbildung mitgenommen habe) ich werde intensiv darüber nachdenken, welchen guten Grund jede(r) Einzelne hat, so zu reden und zu handeln, wie er/sie es tut.

Die Sprache der Digitalisierung ….

Freitag war ich auf einem Summit in Essen. Leider war ich etwas spät dran und so habe ich die Keynote und die ersten Vorträge „Thing big“, „Shift your brand and earn money“ und „From idea to growth“ verpaßt. Aber ich war rechtzeitig zum Fireside-Chat über „The major triad“ da. Sozusagen die letzte Runde vor dem Lunch-Break.

Nach dem Lunch-Break ging es mit einem Afterlunch Kickoff weiter, bevor die Themen „Customer Connectivity“ und „Let’s get together“ behandelt wurden. Irgendwann habe ich von der Conference zu den Sessions gewechselt – dort ging es „Stumbling Blocks & Bottlenecks“, „Local Connections“ und „People and Potentials – Digital Skills“. Leider reichten meine Skills nicht aus, um rechtzeitig an den Coffee Break zu denken und so habe ich die Muffins verpaßt. Auch Matchmaking und SpeedDating sind an mir vorbeigerauscht.

Auf die Session zu „Dedication & Loyalty“, das Networking und das Dinner Buffet habe ich dann verzichtet.

Mich hat es – ganz ehrlich – nicht angesprochen! Und genau darum geht es mir „hier“: Natürlich nutze auch ich viele „denglische“ Begriffe, wenn es um den Bereich Internet und Digitalisierung geht. Aber am Freitag waren es – für meinen Geschmack – einfach zu viele „englische“ beziehungsweise „denglische“ Begriffe, die für den Inhalt weder hilfreich noch notwendig waren. Verstecken wir uns hier hinter einer (vermeintlichen) Fachsprache, um uns noch weniger mit Digitalisierung inhaltlich zu beschäftigen?

#EUdialogues – der Nichtdialog der EU

Heute, gerade während ich diesen Blogbeitrag schreibe, findet in Köln der Bürgerdialog im Schokoladenmuseum statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind – angeblich – herzlich eingeladen, über die Zukunft Europas und Ihre Wünsche und Vorstellungen zu diskutieren. Alle? Nein, nicht alle. Denn nur die Bürgerinnen und Bürger, die es tatsächlich geschafft haben, einen Platz in Köln zu ergattern, können diskutieren. Ein Livestream war laut Einladung geplant, so steht es auch auf der Seite zum Bürger-Dialog. Aber: es gibt ihn nicht. Ich bin bei dieser Veranstaltung doppelt gescheitert – ich hatte mich für die Veranstaltung angemeldet, jedoch nur einen Platz auf der Warteliste bekommen. Ich muß wohl nicht erwähnen, daß es keine weiteren Rückmeldungen gab. Also habe ich auf den angekündigten Livestream vertraut. Ich habe den Hashtag bei Twitter verfolgt – um den Ort und Beginn eines Livestreams rechtzeitig mitzubekommen. Fehlanzeige! Erst auf Nachfrage bekam ich die Information, daß es keinen Livestream gibt. Das Denkwürdige: gerade an dem Abend, an dem der Digital Kommissar Oettinger dabei ist, gibt es keinen Livestream. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und der Dialog? Findet halt nicht statt. Zumindest findet kein Dialog statt, an dem ich irgendwie teilnehmen könnte. Ich wurde statt dessen auf eine Seite verwiesen, wo ich Fragen zur EU stellen kann. Hallo? Ich habe keine Fragen zur EU – ich wollte gerne über die EU diskutieren und zwar mit dem Digitalkommissar. Dieser Dialog ist anscheinend weder möglich noch gewollt.

Dialog mit den Bürgern? Leider nur hinter verschlossenen Türen – das ist das Bild, das Europa heute (und ehrlich gesagt nicht nur heute) bei mir hinterläßt!

Die Suche nach dem richtigen Hashtag ….

Heute ist der 9. November. Ein Tag, der ohnehin schon „geschichtsbeladen“ ist. Bisher schlug dieser Tag für mich einen Bogen zwischen dem traurigen und schlimmen 9. November 1938 und dem freudigen 9. November 1989. Auf eine gewisse Art und Weise war das ein Bogen – eine Art „gutes Ende“ einer sehr schlimmen Geschichte.

Doch dieses Jahr kommt wieder ein 9. November dazu. Ich weiß noch nicht, ob er in seiner gesellschaftlichen, politischen und historischen Bedeutung das Ausmaß der beiden anderen Tage erreichen wird. In den USA wurde Trump zum Präsidenten gewählt. Der Wahlkampf war irritierend und verstörend. Mir ist schon klar, daß in dem Begriff „Wahlkampf“ eben auch sehr stark die Idee des „Kampfes“ steckt – aber Ton, Umgang und auch manche „Inhalte“ haben meine gefühlten Grenzen doch sehr stark überschritten. Natürlich heißt das nicht, daß Trump ein schlechter Präsident werden muß. Viel schlimmer finde ich eigentlich die gedanklichen und tatsächlichen Auswirkungen, die dieser Wahlkampf und der Wahlgewinn in gesellschaftlich und politisch in Deutschland, in anderen europäischen Ländern und auch allgemein in Europa haben kann.

In dieser Stimmung habe ich heute ein sehr gutes und auch sehr ausführliches Twittergespräch mit Peter Jakobs geführt. Ein Gespräch für das ich sehr dankbar bin, weil es auch um die Möglichkeiten und Grenzen von (positiver) Veränderung ging. Zu diesem Thema paßten dann auch die Tweets von Sabria David:

Ja, ich glaube, daß das tatsächlich der richtige Weg ist. Wir sollten gemeinsam überlegen, wie wir unsere Gesellschaft und unsere Demokratie in Deutschland und Europa gestalten. Welche Ideen haben wir? Welche Fragen stellen wir uns? Was wollen wir ausprobieren? Und irgendwie fehlt mir dazu noch der richtig gute Hashtag – zukunftsgewandt, zu Aktivitäten einladend, offen …..

Welcher Hashtag würde Euch ansprechen und bewegen?

Hashtagverbot …….

Seit gestern habe ich die Diskussion um das „Hashtagverbot“ verfolgt. Dieses Thema hat natürlich eine rechtliche Seite – dazu haben sich Thomas Stadler und Thomas Schwenke schon geäußert.

Hier geht es mir um etwas anderes – um die gesellschaftliche und persönliche Seite, die so ein „Hashtagverbot“ mit sich bringt. Ich selber bin wenig sportbegeistert – schon als Kind war ich immer froh, wenn der Sportunterricht ausfiel. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) habe ich die großen Sportereignisse immer gerne verfolgt. Ich erinnere mich gerne an das Mitfiebern mit den vielen Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt und auf den Blick auf auch eher unbekannte Sportarten. Diese Begeisterung ist seit ein paar Jahren vorbei. Das Thema „Kommerzialisierung“ war irgendwie schon lange ein problematisches Thema, das Thema Menschenrechte kam irgendwann dazu. Trotzdem hatte ich – für mich – immer noch den Eindruck, daß da ein „Kern“ da war, der mich interessierte. Vielleicht wäre dieser Kern immer noch da, aber ich erlebe für mich eine „Wertekollision“.

Für mich waren die großen Sportereignisse immer auch gesellschaftliche Ereignisse. Früher saßen halt alle zur selben Zeit vor dem Fernseher, heute teilen wir unsere Erlebnisse über Social Media – zum Beispiel über Twitter. Und da fängt mein Problem an. Ich bin selbständig und nutze Twitter eben auch beruflich. Eigentlich kein Problem, wenn die „Auslegung“ von Werbung mit dem Ereignis durch die Verbände nicht so wahnsinng ausufernd wäre. Ja, ich habe durchaus Verständnis dafür, daß die Verbände Angst vor „ausnutzender Werbung“ (sogenanntes Ambush-Marketing) haben. In ihrer Angst sind die Verbände aber schon 2012 nach meinem Gefühl zu weit gegangen (siehe zum Beispiel hier und hier). Und dieses Jahr wird es halt noch ein bißchen schlimmer …….

Es ist sicherlich eine Frage, ob und in welchem Ausmaß das vom DOSB verkündete „Hashtagverbot“ für (damit werbende) Unternehmen verfolgt wird, was tatsächlich als Werbung empfunden wird. Was bei mir als Twitternutzerin und potentieller Zuschauerin hängenbleibt, ist der Wunsch, Hashtags zu monopolisieren – weit über das Notwendige hinaus. Ich habe keine Lust mir bei jedem Tweet Gedanken machen zu müssen, ob irgendjemand einen Tweet zu dem Sportereignis als Werbung für mich mißverstehen könnte. Ich habe keine Lust, daß mir irgendjemand unterstellt, mein Twittern über ein Sportereignis sei Werbung für mich. Wenn ich das, was ich sehe, aber nicht risikolos teilen kann, dann habe ich an dem Ereignis auch keinen Spaß. Daraus folgt für mich, daß ich das Sportereignis überhaupt nicht mehr verfolgen werde – weder vor dem Fernseher noch bei Twitter (auch in anderen Social-Media-Kanälen nicht). Die Hashtags werde ich – soweit möglich – blocken. Damit „entgeht“ mir dann auch die Werbung der offiziellen Partner. So wird aus früherer Begeisterung völlige Ablehnung.

Lieber DOSB – war es das, was Sie erreichen wollten?

Beste Nachricht des Tages

Es gibt im Moment ja viele schlechte Nachrichten – Angst und Schrecken, wohin man auch schaut. Schon lange habe ich gedacht, man könnte auch mal die guten Nachrichten stärker betonen. Aber „man“ – das sind natürlich immer „die anderen“ und irgendwie sagen die vermutlich auch „man könnte ja mal …“.

Wie auch immer: heute hat mich eine Nachricht erreicht, die für die große Welt vielleicht nicht „weltbewegend“ ist, die mich aber doch sehr gefreut hat – die wirklich beste Nachricht des Tages. Und als ich beim Blaubeerpflücken am Abend noch einmal über diese Nachricht nachdachte, mich noch einmal mit dem Absender freute, da habe ich beschlossen, daß ich mit dieser Nachricht die Kategorie der „guten Nachrichten“ eröffne.

Die beste Nachricht des Tages stammt von Christian de Vries und hier ist seine Nachricht:

Kann es eine bessere „gute Nachricht“ geben? Wohl kaum!

Kann denn Lesen Hobby sein?

Manchmal kommen Themen, die mich interessieren, auf ganz spannende Weise „zusammen“.
Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit „Fragen“ – vor allem mit guten Fragen, die Gespräche eröffnen und ermöglichen, die Nachdenken erlauben und einfordern.
Mittlerweile stoße ich auch immer wieder auf den Gedanken/die Frage, ob wir uns zu sehr mit (vermeintlich) „gewinnbringenden“ Dingen beschäftigen und wie das uns und unsere Gesellschaft prägt. Dazu passend habe ich vor ein paar Tagen begonnen das Buch „Von der Nützlichkeit des Unnützen“ (Untertitel: Warum Philosophie und Literatur lebenswichtig sind) von Nuccio Ordine zu lesen. In diesem Buch stellt Nuccio Ordine anhand von vielen literarischen und philosophischen Beispielen die Gedanken der „Nützlichkeit“ und der „Zielorientierung“ in Frage. Ein sehr spannendes Buch. Man kann sich leicht vorstellen, daß mich gestern die nachfolgenden Tweets sofort zu einer Antwort „reizten“:

Hier war sie – die spannende Frage! Und ich habe sofort mit einer Gegenfrage geantwortet:

Es folgte – und dafür war die Frage ein sehr guter Ausgangspunkt – eine spannende Diskussion über die Definition von Hobbies, über das Verständnis und die Notwendigkeit von Erfolg, Anerkennung und Zielen und die Abgrenzung zu Begriffen wie Zeitvertreib und Interesse. Wer möchte kann die Diskussionen (es gab noch weitere) hier und hier nachlesen.

Ich nehme diese wirklich gute Diskussion nun als Ausgangspunkt für meinen Blogpost!

Was ist denn eigentlich ein Hobby?
Irgendwann im Laufe des Gespräches tauchte die Frage auf, wie man ein „Hobby“ eigentlich definiert. Ich möchte diese Frage hier an den Anfang stellen, weil das eigene Verständnis des Begriffes „Hobby“ auch viel mit den Inhalten, Anforderungen und Abgrenzungen zu tun hat.

So richtig habe ich mir – vor dem gestrigen Gespräch – nie Gedanken über die Definition des Begriffes gemacht. Für mich war es immer etwas, das mit Entspannung und Freizeit zu tun hat, etwas das ich selbst auswähle. Die Definitionen, die ich gefunden habe gehen auch in diese Richtung – spannend ist dabei die Ableitung vom englischen Wort „hobby horse“ (wieder etwas gelernt!).

Schwierig ist auch die Abgrenzung zum Begriff „Zeitvertreib“. „Zeitvertreib“ empfinde ich in einem gewissen Ausmaß als wertenden Begriff, der irgendwie leicht negativ klingt – ich denke spontan an Langeweile, Zeit totschlagen müssen und Ähnliches. Eine richtige Abgrenzung konnte ich nicht finden, interessant fand ich aber, daß als Synonym für „Hobby“ auch „liebster Zeitvertreib“ angegeben wird. Ja, das paßt schon eher.

Brauchen Hobbies ein Ziel?
Eine verstörende Frage! Ich lese viel und gerne – aber in der Regel ohne ein konkretes Ziel und ohne Gedanken an die „Einsetzbarkeit“ oder „Nützlichkeit“ einer bestimmten Lektüre. Wenn ich etwas lese, lesen möchte – dann mache ich das, weil ich neugierig bin, weil mich das Thema oder der Autor/die Autorin interessiert, weil ich mich gerne mit bestimmten Fragen beschäftige. Das unterscheidet das private Lesen (das ich als „Hobby“ oder auch als „Leidenschaft“ ansehe) vom beruflichen Lesen. Wenn ich eine rechtliche Frage prüfe, dann suche ich natürlich zielgerichtet nach bestimmten Antworten – gibt es zu einer bestimmten Situation schon ein Urteil, hat sich die Rechtslage verändert, wie groß ist das Risiko. Privat – also in meiner Freizeit – lese ich anders. Ich nutze die freie Zeit, um aus einer (ziemlich großen) Auswahl von Büchern und Zeitschriften das zu lesen, was mich gerade in dem Moment anspricht. Natürlich können dann auch Inhalte dabei sein, die beruflich interessant sind oder es später werden, das ist aber nicht mein „Leseziel“ – das ergibt sich „nebenbei“.

Aber drehen wir die Frage für einen Moment um: führt das Festlegen eines Ziels dazu, daß eine Beschäftigung kein Hobby mehr ist? Ich zögere, weil mich die „Zielorientierung“ schon stört. Natürlich kann es Hobbies geben, die (auch) mit einem „Ziel“ betrieben werden – Sport, um den Körper fit zu halten, um sich nach einem anstregenden Tag auszupowern oder um Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen) vorzubeugen; Fremdsprachen lernen – um sich in anderen Ländern mit Menschen verständigen zu können. Was überwiegt aber? Der prüfende Blick auf das Ziel oder die Leidenschaft an der Aktivität? Das ist für mich die wesentliche Frage für meine Abgrenzung zwischen einem Hobby und anderen Aktivitäten.

Ein Ziel zu haben führt also nicht notwendigerweise dazu, daß etwas kein Hobby mehr sein kann. Das bedeutet aber noch nicht, daß ein Hobby ein (konkretes) Ziel erfordert.

Lernen oder lesen?
Vielleicht wird an dieser Frage, die sich indirekt aus unserer Diskussion ergab eigentlich klar, warum das Hobby Lesen – zumindest für mich – kein Ziel erfordert. Auf eine bestimmte Art und Weise tauchte in unserer Diskussion die Unterscheidung zwischen Lernen (Wissen aus Sachbüchern erweitern) und Lesen (Romane) auf.

Eine Unterscheidung, die ich nicht teile, die aber durchaus mit der Frage nach dem Ziel zusammenhängt. Lese ich, um zu lernen oder lerne ich, weil ich lese? Der Unterschied mag auf den ersten Blick gering erscheinen, er ist aber größer als man denkt. Der für mich größte Unterschied liegt in der Auswahl der Texte, die ich lese. Wenn ich „nur“ lese, um zu lernen, dann werde ich vermutlich (wie in dem Tweet auch beschrieben) eher Texte auswählen, die zu meinem Lernziel passen. Das können thematisch passende Sachbücher sein, Fachzeitschriften oder Blogbeiträge. Natürlich ist dieses zielgerichtete Lesen nicht schlecht, ganz im Gegenteil – ich freue mich immer, wenn Menschen lesen. Aber Lesen hat für mich noch eine andere Komponente: oft finde ich beim Lesen „Dinge“, die ich gar nicht erwartet hätte und die mich zu neuen Themen, neuen Autoren/Autorinnen und auch zu neuen Büchern und Texten führen. Beim Lesen von Texten, die ich nicht „zielgerichtet“ ausgewählt habe, sondern die mir einfach „gefallen“ oder mich „interessieren“ bewege ich mich abseits meiner eigenen Erwartungen. Das Buch von Nuccio Ordine ist ein gutes Beispiel. Titel und Klappentext haben mich damals, als ich es in einer Buchhandlung gesehen und gekauft habe, angesprochen. Ich habe dort kurz in das Buch hineingeschaut, konkrete Erwartungen hatte ich aber nicht. Umso interessanter ist es nun für mich, daß dieses Buch sich sehr stark in kurzen Kapiteln mit anderen Texten auseinandersetzt. Da sind spannende Querverweise – zum Beispiel zu Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, den ich demnächst sicherlich lesen werde. Ich genieße es, mich mit Fragen und Texten zu beschäftigen, die eben nicht „notwendig“ sind, die ich beruflich gerade nicht „brauche“, die mich und mein Leben aber bereichern!

Interessanterweise kann ich oft Gedanken oder Themen, die aus meinem reichhaltigen Lesefundus stammen, an anderen Stellen wieder einsetzen und mit beruflichen oder persönlichen Themen verbinden. Das ist nicht mein Ziel beim Lesen und bei der Lektüreauswahl, es ist eher ein positiver und manchmal überraschender „Nebeneffekt“. Es bleibt beim Lesen halt mehr „hängen“, als man so denkt.

Sachbuch oder Roman?
Es war eine interessante Annahme, die gestern in dem Twittergespräch indirekt zutage kam. Wir diskutierten über die Abgrenzung von „Hobby“ und „Zeitvertreib“. Dabei stellte ich die Frage, was das Lesen im Zug eigentlich ist. Antwort: Zeitvertreib. Ich fragte nach, ob das am Ort liegt und bekam die Antwort: nein, Romane lesen ist für mich grundsätzlich Zeitvertreib.

Spannend! Denn ich habe während des ganzen Twittergesprächs zu keinem Zeitpunkt geschrieben, was ich im Zug denn überhaupt lese. Die Annahme an sich (Romane) ist natürlich nicht schlimm, sie ist aber so nicht zutreffend. Wenn die Unterscheidung nach Hobby oder Zeitvertreib tatsächlich auf einem Buchtyp beruhen würde, dann wäre eigentlich die Frage „was liest Du denn im Zug?“ naheliegend gewesen.

Es ist diese Einengung auf wichtige und weniger wichtige Werke, die mich wieder an das Buch von Nuccio Ordine erinnert. Wäre es schlimm und weniger sinnvoll, wenn ich „nur“ etwas Schönes lese? Ein Gedicht, eine Novelle, einen Roman?
Es ist meines Erachtens diese Wertung nach Nutzen und Bedeutung, die Kunst und Kultur immer weiter abdrängt. Gleichzeitig glaube ich, daß wir Kunst und Kultur brauchen, um uns mit unseren Werten, unserer Geschichte und damit auch unserer Zukunft auseinanderzusetzen. Ist ein Buch über Marketing wirklich wichtiger als Der Kaufmann von Venedig? Ich finde beides wichtig und möchte diese Vielfalt und die damit verbundene Anregung auch nicht missen.

Was ist mit Erfolg und Anerkennung?
Ich bin froh, daß ich mal wieder einen längeren Blogpost geschrieben habe. Das Thema hat mich inspiriert und natürlich freue ich mich auch, wenn jemand diesen Blogpost liest – vielleicht sogar bis zum Ende. Aber dabei geht es mir nicht um Erfolg oder Anerkennung, sondern eher um das Aufnehmen oder Weiterführen eines Gesprächs und um das Festhalten meiner Gedanken. Es mag sein, daß sich niemand dafür interessiert. Dann ist das halt so. Und wenn es anders ist, dann ergeben sich daraus vielleicht gute Gespräche. Egal wie, mir ist durch das Schreiben deutlich geworden, wie meine Haltung zu diesem Thema ist.

Noch weniger passen die Begriffe von Erfolg und Anerkennung für mich auf das Lesen selbst. Quantitativ mag Lesen durchaus meßbar sein – in der Zahl der gelesenen Bücher oder gar der gelesenen Seiten. Aber was sagt das für mich wirklich aus? Bin ich „erfolgreicher“ wenn ich in diesem Jahr 10 Bücher mehr lese? Habe ich versagt, wenn es 10 Bücher weniger sind? Was ist mit dem qualitativen Aspekt? Manchmal sind es gerade Bücher mit „sperrigen“ Themen oder Fragen, die lange nachwirken, manchmal werden aus Zufallsfunden Lieblingsbücher. Ich will das nicht messen und schon gar nicht will ich messen, was ein Buch in meinem Kopf oder in meinem Herzen bewirkt.

Fazit?
Lesen ist meine Leidenschaft, mein liebster Zeitvertreib, mein Hobby und es ist ein Genuß aus einer Vielzahl vermeintlich „wichtiger“ und „unwichtiger“, „nützlicher“ oder gar „unnützer“ Werke aller Art auswählen zu können. Ich entschwinde dann mal mit einem guten Buch …….

Von Sternen, Herzen und Kröten ….

Twitter hat heute Geburtstag – 10 Jahre wird das Netzwerk schon alt. Ich bin immerhin seit 2009 dabei und habe sogar meinen allerersten Tweet wiedergefunden:

Viele haben sich heute zu Twitter und zum Twittergeburtstag geäußert – in Tweets, in kurzen Filmen und in Blogbeitragen. Muß ich jetzt auch noch ….? Ja, ich muß, denn ich möchte mich einerseits für vieles bedanken, andererseits bin ich aber auch über manches enttäuscht. So ein Jubiläum ist daher ein „guter“ Zeitpunkt, darüber zu sprechen.

Sterne und Sternstunden
Ich weiß noch, daß ich ganz am Anfang die „üblichen Vorurteile“ hatte. Da erzählen die Menschen doch nur, daß sie zum Essen oder zum Kaffeetrinken gehen. Aber im Sommer 2009 überwog dann meine Neugier und ich habe mich angemeldet – gleich mit mehreren Accounts. Ganz langsam und vorsichtig habe ich begonnen, mir eine Timeline aufzubauen, mich mit neuen Themen zu beschäftigen und Sterne zu verteilen.

Die eigentlichen Sternstunden kamen später und hingen mit einer aktiveren Twitternutzung zusammen. Ab Frühling 2012 habe ich relativ intensiv von Twittwochen, Tagungen und Barcamps getwittert. Das schaffte eine doppelte Vernetzung – über die Twitterwall mit den twitternden Menschen vor Ort und über die Entfernung mit denen, die einem Hashtag folgten und Interesse an einer Veranstaltung/einem Thema hatten. Ohne Twitter wäre ich vielen Menschen, die heute mein Leben bereichern, nicht begegnet und ohne Twitter hätte ich auch viele spannende Gespräche und Diskussionen nicht geführt, viele Themen und Veranstaltungen gar nicht mitbekommen.

Für mich ist Twitter nicht nur ein Ort der schnellen Information, sondern vor allem ein Ort des dialogischen Gesprächs, der neugierigen Fragen und des Aufbaus neuer Kontakte. Gerade weil man „einseitig“ folgen kann, ist es möglich, völlig unbekannte Menschen und ihre Themen zu entdecken, ihnen zu folgen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Viele der heutigen Geburtstagstweets haben das auch schön zum Ausdruck gebracht. Sternstunden halt!

Herzen …….
Aber manche Entwicklungen sind auch schwierig. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als es problemlos einen Feed der neuen Follower und auch der Mentions gab, heute funktioniert nicht einmal die Email-Benachrichtigung und ich muß mir immer wieder Umwege suchen, um Wichtiges irgendwie „abzuspeichern“. Ganz schlimm wurde es für mich, als die Sterne zu Herzchen wurden – völlig ohne Auswahlmöglichkeit. Ich mag Twitter ja wirklich von Herzen gerne, aber Herzen verteilen …. nein, das ist nicht meins.

In meiner Timeline schrieb heute jemand, daß Twitter sich treu bleiben soll. Das ist ein wichtiger Wunsch. Denn die Jagd nach neuen Zielgruppen, die man vielleicht ohnehin nicht erreichen kann (Mario Sixtus hat mir heute in seinem Interview in vielen Punkten aus dem Herzen gesprochen) macht die Plattform nicht stärker, eher im Gegenteil.

Kröten ……
Ja, es ist wichtig, ein Finanzierungsmodell zu finden. Oft genug wurde auch schon vorgeschlagen, daß überzeugte Nutzer ja etwas für eine werbe- oder auch herzchenfreie Version zahlen können. Vielleicht ist der Blick auf Werbung und auf junge Zielgruppen einfach zu eng und führt dazu, daß den „alten“ Nutzern auch manche Kröte vorgesetzt wird. Die Herzchen waren beziehungsweise sind so eine Kröte für mich, die Einstellung der Desktopversion von Tweetdeck für Windows ist ebenfalls eine solche Kröte. Ich bin traurig, weil ich das Gefühl habe, daß Twitter mich manchmal zu einer bestimmten Art der Nutzung zwingen will, die für mich nicht paßt.

Und so bleibt am Jubiläumstag ein leicht bitterer Beigeschmack, der meine Freude über die Sternstunden der letzten knapp sieben Jahre meiner Twitternutzung ein bißchen trübt. Wird auch morgen für meine Art der Twitternutzung noch „Platz“ sein?

Ich wünsche es mir und ich wünsche mir, daß Twitter die Offenheit wiedergewinnt, die es in meinen Augen gerade vor ein paar Jahren noch hatte und die für mich den unverwechselbaren Charme der Plattform ausgemacht hat und irgendwie auch immer noch ausmacht – trotz aller Kröten.

In diesem Sinne: herzlichen Glückwünsch Twitter und alles Gute für die nächsten 10 Jahre!