Falsche Frage …….

Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Einfluß die Formulierung einer Frage auf den Inhalt und den Verlauf eines Gesprächs/einer Diskussion haben kann. Gute Fragen können „wie Küsse schmecken“ (so auch der Titel eines sehr spannenden Buches von Carmen Kindl-Beifuß) und damit gute und spannende Gespräche eröffnen, weniger gute Fragen verbauen den Weg zum Gespräch, setzen den Befragten manchmal sogar unter Druck oder stellen ihn bloß (anschaulich geschildert im Buch „Warum? Von der Obszönität des Fragens“ von Aron Ronald Bodenheimer).

Warum ich dieses Thema jetzt aufgreife? Sonntag vor einer Woche entspann sich auf Twitter eine Diskussion rund um das Thema Live-Streaming von Sessions auf Barcamps. Die Frage, die – zunächst unausgesprochen – im Raum stand, war „Live-Streaming bei Barcamps – pro oder contra?“ Eine offene Frage, die völlig unterschiedliche Sichtweisen und Aspekte im Rahmen des Gesprächs zuließ. So haben wir im Verlauf des Sonntags unter anderem über die Vor- und Nachteile für Sessiongeber, Teilnehmer, abwesende Interessierte, Orga-Teams und Sponsoren gesprochen. Die „Streaming-Kompatiblität“ unterschiedlicher Inhalte war ebenso Thema wie die Frage der Sponsorengewinnung und damit der Finanzierung von Barcamps. Die 140-Zeichen-Begrenzung bei Twitter war für uns alle immer wieder eine Herausforderung – es ist gar nicht so einfach, komplexe Inhalte in kurzen Tweets halbwegs verständlich darzustellen. So war es nicht verwunderlich, daß wir auf die Idee kamen Blogbeiträge zu „Livestreaming bei Barcamps – pro oder contra?“ zu schreiben. Der „pro-Beitrag“ erschien im Stream-Café, mein „contra-Beitrag“ in diesem Blog, weitere Beiträge werden vielleicht noch folgen.

Gerade weil die Diskussion zu dem Thema sehr spannend war, fand ich die Idee, das Gespräch in einem Hangout fortzusetzen zunächst gut. Dabei bin ich aber davon ausgegangen, daß auch dem Gespräch im Hangout dieselbe offene Fragestellung „Livestreaming bei Barcamps – pro oder contra?“ zugrundeliegt. Eine Fehlannahme! Aus der offenen Ursprungsfrage ist nämlich „Geschützte Räume, Autorisierungen, Regeln: Wie offen sollen Barcamps sein?“ geworden. Das mag aus Sicht der Streaming-Befürworter eine wichtige Frage sein, mit der offenen Ursprungsfrage hat diese Frage aber nichts mehr zu tun. Vielmehr steckt in der Frage schon die wertende Grundannahme und „Unterstellung“, daß ein Barcamp ohne Streaming gerade nicht offen ist. Das sehe ich anders und dazu werde ich sicherlich irgendwann auch etwas schreiben.

Wesentlich ist für mich aber folgender Punkt: es macht für mich keinen Sinn, eine derartig einseitig formulierte Frage in einem Hangout zu diskutieren. Die Fragestellung lädt gerade nicht dazu ein, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten und zu hinterfragen, es ist auch keine Weiterführung der ergebnisoffenen Diskussion, denn die Frage beinhaltet das (gewollte) Ergebnis ja schon. Schade, denn so hat die Diskussion ihren Charme völlig verloren!

Nur wer sich zeigt ….

…. kann auch gesehen werden! Das ist zumindest für mich die wichtigste Erkenntnis aus einem Gespräch beim Barcamp Ruhr #bcruhr8 und der Session von @LeseratteJ und @JuliaSpunkt zum Thema „Quereinstieg in Social Media“.

Karsten Lohmeyer hat bei seinem Auftritt auf der „Rock the Blog 2015“ am Beispiel „Bloggen“ die Chancen, die wir heute – als potentielle selbständige Publizisten aber auch als Prosumenten im Sinne von Rifkin – haben, sehr schön herausgearbeitet. Noch wichtiger: er hat eindrucksvoll berichtet, was er selbst aus dieser Chance gemacht hat. Aber zum Ergreifen dieser Chance gehört auch Selbstmarketing und da kommen wir zum Thema Social Media. Was aber braucht man, um Social Media – vor allem im Beruf – „erfolgreich“ einzusetzen zu können?

Was zählt? Zertifikat oder Wissen?
Der Bereich Social Media hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Wenn ich an meine ersten „interaktiven“ Schritte im Internet zurückblicke, dann denke ich vor allem an Mailinglisten und Foren. Auch wenn die Entwicklung im Rückblick rasant erscheint, so hatte ich doch die Chance nach und nach in diesen Bereich hereinzuwachsen, Plattformen und Interaktionsformen auszuprobieren (und auch wieder zu verwerfen) und Vorlieben zu entwickeln.

Als „Social Media“ Einzug hielt, war ich schon berufstätig, während meines Studiums gab es diesen Bereich noch nicht. Aber auch heute ist „Social Media“ in vielen (vermutlich den meisten) Ausbildungs- und Studiengängen (noch) kein Thema, auch heute müssen Berufsanfänger und Jobwechsler sich diese Kenntnisse selbst aneignen – um sich selbst zu vermarkten, um ihre Chancen auf einen guten Job zu erhöhen oder auch für einen richtigen Quereinstieg. Schon seit geraumer Zeit werden von vielen Einrichtungen entsprechende Kurse angeboten. Ich selbst bin als Dozentin für den Bereich „Recht“ in einem Kursangebot der LVQ für angehende Social-Media-Manager tätig. Also ein Kurs mit Zertifikat als richtiger Weg?

Nein, ganz so einfach ist es aus meiner Sicht nicht und dies wurde in der Barcampsession zum Thema „Quereinstieg in Social Media“ auch angesprochen. Nicht das Zertifikat ist das eigentlich Wertvolle an der Weiterbildung (auch wenn viele Unternehmen/potentielle Arbeitgeber dies so sehen mögen), wirklich wertvoll ist das erworbene Wissen, die unabhängig von konkreten Plattformen erworbene Handlungskompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Weiterbildung kann insoweit immer nur eine Grundlage sein, auf der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann konkret aufbauen.

Wo anfangen? Eine Frage der Glaubwürdigkeit ….
Wo aber sollen die zertifikatsgeprüften Teilnehmerinnen und Teilnehmer anfangen? Das ist die Crux an diesem Thema. Einerseits ist das Zertifikat in vielen Unternehmen eine notwendige Voraussetzung, andererseits ist ein Zertifikat noch lange kein Türöffner. Woher soll das Unternehmen auch wissen, ob der-/diejenige auch wirklich weiß, was er/sie da tut ….. Theoretisches Wissen – erworben durch Kurse, Buch- und Bloglektüren – kann da nur eingeschränkt weiterhelfen, wichtiger ist die konkrete Anwendung im praktischen Leben. Wer zeigt, daß er/sie ein Netzwerk aufbauen, ein Thema virtuos bespielen kann, der zeigt über die Theorie hinaus Glaubwürdigkeit und ist vielleicht schon einen Schritt weiter. Dieser erste Schritt kann durchaus im Rahmen eines Praktikums oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit stattfinden, oder im Rahmen eines eigenen Herzensprojekts. Darin steckt eine große Chance ….

…. und eine Last
Es ist gleichzeitig eine große Last, das für eine Bewerbung oder einen Quereinstieg, der Wissensnachweis nicht (mehr) ausreicht. Wer hat als Berufsanfänger schon die Zeit und auch die finanziellen Möglichkeiten flugs ein eindrucksvolles Projekt oder Netzwerk aufzubauen? Vernetzung und Projektaufbau brauchen Zeit, Ideen und auch eine gewisse Gelassenheit, wenn etwas nicht (sofort) funktioniert. Die Spirale des „ich-bin-besser“ oder „ich-bin-kreativer“ ist nicht für alle von uns eine positiv empfundene Herausforderung.

Das Herzensprojekt ….
Dennoch glaube ich, daß ein „Herzensprojekt“ ein guter Einstieg sein kann. Wir alle haben unterschiedliche Interessen und Ansichten. Wer es wagt, ein Thema, das ihr/ihm am Herzen liegt, herauszugreifen, es sichtbar zu machen, der schafft es auch leichter, selber sichtbar zu werden. Karsten Lohmeyer ist dafür ein gutes Beispiel, Karin Krubeck auch!
Ja, das sind große Projekte, aber auch diese Projekte haben einmal klein angefangen – mit einer Idee, mit ein paar Beiträgen, den passenden Social-Media-Präsenzen …… sicherlich auch einigen Fehlern, aber vor allem mit viel Begeisterung und Herzblut für das gewählte Thema!
Natürlich kann man dabei scheitern, aber ganz ehrlich: lieber scheitern, als nicht einmal anfangen!

Danke….
… an das Barcamp Ruhr, in dessen Rahmen die Gespräche und die zugrundeliegende Session stattfanden. Mein besonderer Dank gilt dem Orgateam bestehend aus Berthold Barth und Maik Wagner sowie den Sponsoren, die Djure Meinen so schön zusammengefaßt hat:

Was Schumpeter auf dem Barcamp zu suchen hat ……

Ende Februar war das erste Barcamp in Bonn #bcbn15 und ich war – trotz immer noch starker Erkältung – ab der Mittagszeit dabei. Gesundheitlich vielleicht nicht ganz so weise, inhaltlich eine gute Entscheidung, denn das Barcamp hat mir gut gefallen. Von daher möchte ich ein herzliches Dankeschön an das Orgateam und auch an die Sponsoren aussprechen – Ihr habt eine tolle Arbeit geleistet und eine schöne Atmosphäre geschaffen!

Das Barcamp ist nur der Rahmen ….
Das Orgateam (bestehend aus Karin, Johannes und Sascha) und das Forum Internationale Wirtschaft haben uns einen angenehmen Rahmen zur Verfügung gestellt, die Aufgabe aller Anwesenden ist – wie bei jedem Barcamp – diesen Rahmen auch angemessen zu füllen.

Ich habe letzten Samstag – auch bedingt durch meine späte Ankunft und meine Erkältung – nur wenige Sessions mitbekommen. Dafür habe ich ein kurzes aber sehr spannendes Gespräch mitverfolgt, in dem es genau um die Frage der vorgeschlagenen und angebotenen Inhalte ging. Und nein, es geht mir nicht um Kritik an den angebotenen Sessions, sondern eher um die Frage, ob und wie wir mehr thematische und methodische Vielfalt erreichen können.

Es kostet natürlich Überwindung, sich überhaupt erst einmal bei einem Barcamp „vorne“ hinzustellen, eine Session vorzuschlagen und diese dann auch zu halten. Ich freue mich immer wieder, wenn ich auf Barcamps komplett neue Sessiongeber (und -geberinnen) und/oder neue Sessionthemen erlebe. Von daher geht mein Dank auch an alle, die letzte Woche eine Session gehalten haben – auch wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt erleben konnte. Jede Session erfordert Vorbereitung – nicht unbedingt eine fertige Präsentation, aber doch eine Idee und eine Vorstellung, was in der Session passieren soll, welche Themen angeschnitten werden sollen, ob es eher eine Diskussion oder ein Vortrag sein soll …… oder doch ganz anders?

Denn gestern kamen in einem Gespräch zwei Punkte auf, die mir so wichtig erscheinen, daß ich sie hier aufgreifen möchte:
– warum gibt es eigentlich kein Barcamp oder zumindest nicht mehr Sessions bei denen praktische Erfahrungen im Vordergrund stehen? Also auch mehr Sessions in denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selbst praktische Erfahrungen machen können ……
– warum beschränken wir uns methodisch oft auf (theoretische) Vorträge und Diskussionen?

…. für innovative Inhalte und Kombinationen …..
Und genau hier kommt Schumpeter ins Spiel. Gunnar Sohn hat gestern eine Session zu Schumpeter gemacht – wobei es ihm vor allem um die Persönlichkeit Schumpeters, sein Leben und die Entdeckung seiner Spuren in Bonn ging. Laut Schumpeter ist eine Innovation nicht nur eine Neuerfindung, sondern auch eine neue Kombination von bereits vorhandenen Dingen/Faktoren. Schumpeter hat dies natürlich unmittelbar auf den Bereich der Wirtschaft bezogen. Es paßt aber gerade zu einer Session über Schumpeter, den Begriff auch wieder innovativ – also in einer neuen Kombination – anzuwenden und zwar gerade in bezug auf Barcamps und die Sessions auf einem Barcamp. Interessanterweise paßt die von Schumpeter für die Wirtschaft entwickelte Theorie auch zu den Tätigkeitskategorien, die der russische Künstler Kasimir Malewitsch formuliert hat. Malewitsch spricht von drei Tätigkeitskategorien – dem Erfinden (als Gestaltung des Neuen) und dem Kombinieren (als Umgestaltung des Vorhandenen) als „progressiven“ Tätigkeiten und dem (als „reaktionär“ bezeichneten) Reproduzieren (Nachbildung des Vorhandenen). Sowohl für Malewitsch als auch für Schumpeter ist die Neukombination eine „innovative“ Tätigkeit.

Spannender Gedanke, oder? Wir kombinieren einfach „Dinge“ neu und bekommen spannende neue Sessions und viel Gesprächsstoff. Zugegeben, es ist manchmal schneller und einfacher, zu einem Thema oder einer Frage einen kurzen Vortrag zu entwickeln oder eine Diskussion zu moderieren und natürlich können diese Sessions auch sehr spannend und inhaltsreich sein.

Barcamp als Experimentierfeld?
Was aber wäre, wenn wir das Barcamp als unser Experimentierfeld ansehen? Wenn wir uns also immer wieder bemühen, für uns neue Inhalte und Themen kennenzulernen und aufzugreifen und nach und nach auch neue Kombinationen auszuprobieren? Wenn wir – nach dem allerersten Überwinden – nicht bei einem Thema/einer Methode verbleiben, sondern immer wieder „Neues“ wagen? Dann würde es immer wieder Überraschungen für uns geben – für alle von uns! Ein schöner Gedanke, oder?

Lebenslange Lernlust!

Es war einmal die Lernlust ….. – so lautet die Aufgabe, die Bob Blume uns (bis einschließlich heute!) in seiner Blogparade stellt. Es ist also höchste Zeit, das Thema aufzugreifen, bevor es zu spät ist!

Lesen – der Beginn einer großen Leidenschaft
Um die Schulzeit soll es gehen – genauer gesagt um Lernlust während der Schulzeit. Ganz ehrlich: ich habe immer gerne gelernt und ich bin auch gerne zur Schule gegangen. Lediglich den Sportunterricht mochte ich überhaupt nicht und auch die Handarbeiten in der Grundschule waren nicht meine große Leidenschaft. Aber die Schule hat mir den Weg zu den Büchern und zum Lesen geöffnet – zur großen Leidenschaft meines Lebens!

Referate – über Neugier und Recherche
Lernlust verbinde ich weniger mit einzelnen Fächern oder Lehrern, ganz stark aber mit dem Thema „Referate“. Ich war in der Schule immer recht ruhig, mündliche Mitarbeit war weder meine Leidenschaft noch meine Stärke. Wirklich begeistert hat mich immer wieder die Möglichkeit, ein Thema im Rahmen eines Referats zu erarbeiten und zu vertiefen. Egal ob es die Vorstellung eines Romans für den Deutschunterricht (Martin Walser – Ein fliehendes Pferd) oder die Beschreibung des Aufbaus eines Atomreaktors für den Physikunterricht (Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor in Hamm-Uentrup) war, ich habe die Chance begeistert ergriffen und mich in das Thema vertieft. Dabei habe ich viel gelernt – unglaublich viel!

Natürlich war die „Recherche“ damals noch rudimentär. Ein Gang in die Stadtbibliothek, das Heraussuchen von ein paar passenden Büchern, das Zusammentragen der Informationen. Aber ich habe damals – ohne es zu wissen oder zu merken – den Grundstock für mein späteres Studium und für meine berufliche Tätigkeit gelegt: eben mit der entsprechenden Neugier auch neue Gebiete und Frage mit Recherchemethoden erarbeiten zu können und das Ergebnis auch noch vor einer Gruppe zu präsentieren. Das Wichtigste: diese Recherchen haben mir Spaß gemacht und immer wieder habe ich weitere Bücher zu Schulthemen ausgeliehen und gelesen, so zum Beispiel ein ziemlich dickes Buch über Talleyrand als wir die französische Revolution besprachen. Gerade weil das nicht notwendig war, hat es so viel Spaß gemacht! Lernlust ist für mich einfach auch ein anderes Wort für Neugier! Und diese Neugier habe ich während meiner Schulzeit so richtig „ausgelebt“!

Fremdsprachen – das Tor zur Welt
Schon während der Schulzeit gehörte meine große Leidenschaft den Fremdsprachen. Meistens hatte ich die Schulbücher auch relativ schnell schon irgendwie „durchgelesen“ und kannte dann schon die langweiligen Lehrbuchdialoge zwischen Betty und Peter oder die kleinen Berichte über gesellschaftliche und politische Themen. Umso dankbarer war ich, als wir auch in den Fremdsprachen mit Lektüren, Zeitschriften (ich erinnere mich noch an das Newsweek-Abo und die monatelang danach noch eintrudelnde Werbung ……) und Radiomitteilungen arbeiten „mußten“. Das war schon eine ziemliche Herausforderung, aber auch eine wahnsinnig große Chance. Natürlich habe ich dann einen Englisch-Leistungskurs gewählt und irgendwann zwischendurch meine (damals noch bescheidenen) Sprachkenntnisse in England ausprobiert.

Besonderen Spaß hat es mir dann gemacht, Kinderbücher in der englischen Sprache zu lesen. Ja, natürlich war ich damals eigentlich schon zu alt für Kinderbücher – aber das „Brer Rabbit Book“ habe ich mir wirklich Wort für Wort „erobert“. Auch wiederum etwas, das ich nicht tun mußte, das mir – trotz aller Arbeit – Spaß gemacht hat und von dem ich heute noch zehre. Sowohl von der „gelernten“ Ausdauer als auch von den vielen Vokabeln, die ich damals ohne Zeitdruck gelernt habe.

Kreativität – das große Ausprobieren im Deutschkurs
Ab der 9. Klasse hatten wir einen „modernen“ Deutschlehrer, der sowohl auf Diskussionen als auch auf Kreativität sehr viel Wert legte. Wir hatten in jeder Klassenarbeit die Auswahl zwischen zwei unterschiedlichen Aufgaben – einer analytischen Aufgabe (zum Beispiel Analyse eines Gedichts) und einer kreativen Aufgabe (zum Beispiel ein Gedicht in einem bestimmten Versmaß oder einen Werbespruch schreiben). Meistens habe ich mit der analytischen Aufgabe angefangen und dann doch noch die kreative Aufgabe gemacht. Auch das natürlich völlig unnötig, aber so hat sogar das Klausurenschreiben Spaß gemacht und ich habe für mich entdeckt, daß ich eine kreative Ader habe (die aber definitiv keine „Bastelarbeiten“ oder „Malereien“ umfaßt).

Und danach?
Ich war traurig als die Schulzeit vorbei war (nur den Sportunterricht habe ich keine Sekunde vermißt!). Aber ich konnte damals noch nicht einschätzen, wieviel ich aus dieser Zeit an wertvollen Erfahrungen für mein Studium und meinen Beruf mitgenommen habe. Die Liebe zu Büchern, zu Fremdsprachen und zur Recherche sind mir geblieben und ich zehre heute noch von den Grundlagen, die ich damals bilden konnte.

Gleichzeitig habe ich glücklicherweise schnell gelernt, daß Lernen und Lernlust mit der Schule nicht vorbei sind, sondern danach gerade erst richtig anfangen! Lernlust ist ein lebenslanges Thema und so lese ich noch heute begeistert Bücher und Zeitschriften in Fremdsprachen, lerne neue Vokabeln und sogar neue Sprachen, entdecke neue Themenfelder und recherchiere in Bereichen, die mir noch nicht vertraut sind. All das ist für mich „Lernlust“ und all das möchte ich in meinem Leben nicht missen!

Neue Gedanken zum Thema Barcamp

Schon öfter habe ich in diesem Blog etwas über Barcamps geschrieben. Ich habe den Besuch meines ersten Barcamps beschrieben, mir grundsätzliche Gedanken zum Thema Barcamp gemacht, an den Blogparaden „Mein erstes Barcamp“ und „Was ist der Nutzen von Barcamps“ teilgenommen.Als Insa Künkel gestern fragte

fühlte ich mich – natürlich sofort angesprochen. Gleichzeitig machten (und machen) mich zwei Blogbeiträge von Torsten Maue und Christian de Vries nachdenklich.

Was fasziniert mich also an Barcamps?
Im Laufe der Jahre habe ich ziemlich viele Konferenzen, Tagungen, Workshops, Seminare und (Weiterbildungs-) Veranstaltungen aller Art besucht. Meistens gab es ein verbindendes Merkmal: der- oder diejenige „vorne“ sprach, alle anderen hörten zu – manchmal mit der Möglichkeit in den letzten Minuten ein paar Fragen zu stellen. Wie oft habe ich bedauert, daß es keinen Austausch, keine Diskussion, keine Ideensammlung mit allen Anwesenden gab, wie oft war ich enttäuscht, wenn hochaktuelle Entwicklungen überhaupt nicht oder nur am Rande angesprochen wurden, wie oft war ich genervt, wenn der/die Vortragende meine Erwartungen nicht erfüllte.

Was aber ist bei Barcamps anders?
– es finden zeitgleich mehrere Sessions statt, man kann also auswählen, was man sich anhört (und bei Nichtgefallen kann man die Session auch verlassen)
– jeder kann ein Thema/eine Frage als Session anbieten – eben auch als Diskussionssession
– in den meisten Sessions freuen sich die Sessiongeber, wenn die Anwesenden mitdiskutieren
– durch die Diskussionen in den Sessions und auch durch die Twitterbegleitung der Sessions finden sehr viele spannende Gespräche statt (online und offline)
– manchmal ergeben sich Sessionvorschläge auch aus Gesprächen und Diskussionen am ersten Tag (so zum Beispiel meine Session mit Heinz Wittenbrink beim Content Strategy Camp in Dieburg und meine Session mit Norbert Tuschen und Timo Stoppacher beim Barcamp Düsseldorf)
– weil die Teilnehmer das konkrete Programm erst am jeweiligen Tag gemeinsam planen, ist das Format hochaktuell, sehr flexibel und läßt viel Raum für Spontanität.

Ja, klar – nicht alle Sessionthemen sind immer für mich interessant. So manche Sessionrunde habe ich auch plaudernd verpaßt – aber manchmal sind die persönlichen Gespräche, die sich zufällig ergeben – für den Moment wichtiger. Es sind oft Gespräche, die zu neuen Ideen oder Projekten führen, die Kontakte aufbauen oder vertiefen.

Die Schwachstellen …..
Natürlich haben Barcamps auch Schwachstellen. Ole Wintermann hat schon 2012 in einem Blogbeitrag einige benannt, Torsten Maue hat in seinem Blogbeitrag weitere „Baustellen“ aufgelistet, die ich in einem gewissen Ausmaß auch so erlebe.

Verbindlichkeit und Anspruchsdenken?
Die Finanzierung von Barcamps und damit zusammenhängend die Preisgestaltung bei den Barcamptickets sind sicherlich komplexe Themen, zu denen es viele unterschiedliche Meinungen gibt. Das grundsätzliche Problem bei „gekauften“ Tickets ist ein manchmal entstehendes Anspruchsdenken der Teilnehmer – sowohl im Hinblick auf „erwarteten Service“ als auch auf „Übertragbarkeit“ oder „Erstattung“ von Tickets. So ärgerlich kurzfristige Absagen oder zahlreiche spontan Ausbleibende („No Shows) sind, so wenig führt eine Ticketgebühr automatisch zu mehr Verbindlichkeit. Der gezahlte Preis erweckt manchmal eher den Eindruck, daß man ja – wie mit einer Konzert- oder Theaterkarte – damit machen kann, was man will. Das „Gemeinsame“ des Barcamps scheint manchmal in den Hintergrund zu rücken.

Themenvielfalt?
Nach zwei Jahren Barcamps sind mir viele Themen und die dazugehörigen Akteure bereits bekannt. Auch wenn es sicher immer wieder neue Entwicklungen/neue Tools gibt, ist eine vierteljährliche Teilnahme an einem bestimmten Thema nicht so wirklich spannend. Das gilt natürlich auch für meine Themen. Für mich selbst habe ich mir daher die Aufgabe gestellt, immer wieder neue Themen zu erarbeiten. Gerade die Diskussionsthemen (siehe oben) waren insofern für mich wirklich spannend!

Begrenzt durch die Filterbubble?
Interessanterweise habe ich den Aspekt „Themenvielfalt“ auf den Barcamps in meiner Region (Köln und Düsseldorf) stärker wahrgenommen als in Dieburg. Warum? Weil ich in Köln und Düsseldorf natürlich viele Teilnehmer (und ihre Themen) schon kannte. Gerade die abweichende Zusammensetzung des Teilnehmerfelds in Dieburg hat zu neuen Gedanken, Gesprächen und Diskussionsthemen geführt. So schön es ist, bestehende Kontakte zu vertiefen (und ich möchte das nicht missen!), so wichtig ist es auch, immer wieder über den persönlichen und thematischen Tellerrand hinauszuschauen. Das ist mir in Dieburg bei dem langen abendlichen Gespräch mit Heinz Wittenbrink sehr klar geworden.

Mut zu Neuem?
Es ist nicht nur die Themenvielfalt an sich, die mich manchmal beschäftigt, es ist auch der Mut, neue Sessionformen anzubieten und auszuprobieren. In den letzten zwei Jahren habe ich schon ein besseres Gespür entwickelt, herauszuhören, was sich hinter den jeweiligen Sessionvorschlägen versteckt. Gut gemachte Vorträge höre ich mir (wenn die Themen mich interessieren) durchaus an, aber noch verlockender sind oft Diskussionssessions oder auch „Testläufe“ mit anderen Formaten. Dazu gehören natürlich zwei Seiten – die mutigen Sessionanbieter (wobei zu manchem Format oder Testlauf auch einiges an Vorbereitung gehört) und die mutigen Sessionteilnehmer. Ein Thema, an dem ich auch (auf beiden Seiten) noch arbeiten muß …..

Und danach?
Christian de Vries spricht mit seinem Blogbeitrag einen wunden Punkt an. Ich schreibe eigentlich relativ selten über die von mir besuchten Barcamps. Während des Barcamps twittere ich live und mit großer Ausdauer, nach dem Barcamp überlege ich mir zwar noch, welche Aspekte sich für einen Blogbeitrag eignen, aber meistens bleibt es bei dem Gedanken. Und zu meiner Verteidigung sage ich mir dann immer, daß es besser ist keinen Beitrag zu schreiben als einen schlechten Beitrag …….

Aber – und da treffen sich die Beiträge von Christian de Vries und von Torsten Maue mit der Frage von Insa Künkel – wie können wir Neuen das Barcampformat so schildern, daß sie auch voller Vorfreude und Neugier teilnehmen, ihre Themen und Fragen einbringen und gemeinsam mit uns immer wieder etwas Neues gestalten? Wir können natürlich Blogbeiträge schreiben, wir können aber auch über andere Wege nachdenken – auch über Wege, die uns das Schreiben von Blogbeiträgen oder Beiträgen in Netzwerken erleichtern. Ein möglicher Weg sind die sessionbegleitenden Etherpads, die bei manchen Barcamps eingerichtet und betreut werden. Gut gefallen hat mir auch das Storify von Ralf Neuhäuser, das die Session von Ulrike Zecher zusammenfaßt. Vermutlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, wie wir attraktive Berichte über Barcamps und Sessions „verfassen“ können. Der „Bericht“ ist aber nur eine Seite.

Die langfristigen Wirkungen ….
Ein Barcamp ist erst einmal ein einzelnes Ereignis. Aber die Menschen, die sich dort begegnen, miteinander diskutieren, sich über Twitter oder andere Netzwerke verbinden, begegnen sich auch an anderen „Orten“ (online und offline). Angefangene Gespräche werden weitergeführt, neue Themen und Aspekte kommen hinzu – oft entstehen Ideen für gemeinsame Aktivitäten und manchmal auch konkrete Projekte. Dieser Teil läßt sich manchmal aus den Barcampberichten herausfühlen, selten wird er jedoch konkret angesprochen. Vielleicht sollten wir auch diese Geschichten einmal erzählen – denn auch damit könnten wir Menschen begeistern!

Mein Fazit
Ja, ich bin fasziniert von Barcamps. Aber ich habe gelernt, daß ein für mich gutes Barcamp zu einem gewissen Ausmaß auch davon abhängt, was ich in das Barcamp „reinstecke“ und wie offen ich für neue Kontakte, neue Themen und neue Erfahrungen bin. Im besten Fall ist es eine gelungene Gratwanderung zwischen dem Neuen und dem Vertrauten, im schlimmsten Fall entweder fremd oder langweilig. Aber „richtig schlimm“ war es bisher noch nie!

Twitter und die Relevanz unerwünschter Inhalte ….

Seit 2009 nutze ich Twitter. Gerade in den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mir eine spannende Timeline aufgebaut, in der ich Inhalte finde, die mich interessieren, die mich „stören“ und die mich zum Nachdenken anregen. Im Laufe der Zeit habe ich über Twitter viele gute Gespräche geführt – gerade auch da, wo ich mich mit völlig anderen Ansichten und Lebenserfahrungen auseinander gesetzt habe. Auch wenn „meine“ Zusammenstellung sicher nicht perfekt ist, so habe ich im Laufe der Zeit doch ein gewisses Gefühl für wichtige Strömungen und ein gewisses Grundvertrauen in meine Timeline und die darin angesprochenen Themen entwickelt. Dieses gute Gefühl beruht zu einem großen Teil darauf, daß ich eben nicht „jedem“ folge und durchaus Zeit und Sorgfalt in die Zusammenstellung meiner Timeline stecke.

Und jetzt?
In den letzten Wochen mehren sich die Anzeichen, daß unangenehme Neuerungen ins Haus stehen. Unangenehm deshalb, weil die von Twitter angedachten „Neuerungen“ meine Auswahl und Autonomie in Frage stellen. Auf Twitter selbst findet man mittlerweile eine „erweiterte“ Beschreibung der „Timeline“. Irritierend ist dabei für mich vor allem der dritte Absatz:

Außerdem fügen wir möglicherweise auch einen Tweet, einen Account, dem Du folgen solltest oder sonstige beliebte bzw. relevante Inhalte zu Deiner Timeline hinzu. Das bedeutet, dass Dir manchmal Tweets von Accounts angezeigt werden, denen Du nicht folgst. Wir wählen jeden Tweet anhand vieler Faktoren einschließlich der Beliebtheit und der Interaktion von Personen in Deinem Netzwerk damit aus. Unser Ziel besteht darin, Deine Timeline auf der Startseite noch bedeutungsvoller und interessant zu gestalten.

Neben einer Zunahme von gesponsorten Tweets (die in der Timeline-Beschreibung auch ausdrücklich erwähnt werden) drohen also weitere „fremde“ Inhalte. So tauchen wohl mittlerweile fremde Tweets, die von Followern ein „fav“ erhalten haben, in manchen Timelines auf. Nach ersten Berichten sind viele Twitternutzer wenig begeistert. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es zunehmend Berichte über die möglichen Neuerungen und die Reaktionen der Nutzer.

Fremde Inhalte – na und?
Bisher sind die in den Berichten erwähnten Änderungen in meiner Timeline noch nicht aufgetaucht – und darüber bin ich auch sehr froh. Trotzdem habe ich über dieses Thema in den letzten zwei Wochen intensiv nachgedacht. Ganz klar: über die möglichen Neuerungen freue ich mich nicht. Für gesponsorte Tweets habe ich – unter dem Aspekt der Finanzierung – Verständnis. Ich würde mich zwar über andere Modelle (zum Beispiel eine bezahlte „werbefreie“ Timeline) freuen, aber in einem gewissen Sinn ist Werbung die „Kröte“, die ich für die kostenfreie Nutzung von Twitter halt „schlucken“ muß. Aber damit hört mein Verständnis auch schon auf. Ich möchte weder Tweets, die von Menschen aus meiner Timeline gefavt wurden noch „beliebte“ oder „relevante“ Inhalte von Personen erhalten, denen ich bisher nicht folge. Warum?

Twitterer nutzen die Fav-Funktion sehr unterschiedlich. Manche drücken darüber ihr Einverständnis aus, ihr Schmunzeln über lustige Sprüche oder Begegebenheiten, andere wiederum nutzen Favs, um Links oder Tweets für später zu „merken“ oder direkt (zum Beispiel in Evernote) zu speichern. Ich selbst unterscheide für mich sehr deutlich, ob beziehungsweise wie ich auf einen Tweet reagiere. Ein „Fav“ ist für mich eher eine Interaktion im Dialog – ein kleines Dankeschön, ein virtuelles Lächeln oder Winken. Diese Dialoginteraktion ist natürlich auch für andere sichtbar – für Tweetdecknutzer zum Beispiel in der Spalte „Activity“. Es ist aber ein Unterschied, ob etwas für andere „sichtbar“ ist oder ob sie es „ungewollt“ in ihrer Timeline finden. Wenn ich etwas in die Timeline meiner Follower bringen möchte, dann entscheide ich mich bewußt für einen Retweet. Diese – bewußte – Entscheidung übergeht Twitter, wenn plötzlich gefavte Tweets in der Timeline auftauchen. Und ganz ehrlich: gerade eben habe ich mir auch die Frage gestellt, ob ich unter dieser Maßgabe die Fav-Funktion überhaupt noch nutzen möchte ……

Noch ärgerlicher finde ich den Gedanken, daß völlig fremde Tweets in meiner Timeline auftauchen, weil es sich um „beliebte“ oder „relevante“ Themen handelt. Gerade die Erklärung von Twitter, daß die Auswahl von vielen Faktoren – unter anderen Beliebtheit und Interaktion von Personen in meinem Netzwerk – abhängt, bereitet mir Bauchschmerzen. Meine Timeline ist sehr bunt und enthält damit auch immer wieder Themen, die ich „freundlich ignoriere“, weil sie mich persönlich nicht berühren, aber mich bei den Menschen in meiner Timeline auch nicht stören. Spontan fallen mir Themen wie Fußball, Fernsehsendungen à la „Bachelorette“ und Twitter-Chats wie zum Beispiel der #edchatde ein. Zu den entsprechenden Zeiten sind diese Themen in meiner Timeline sehr beliebt und es finden dazu viele Interaktionen statt. Trotzdem sind diese Themen für mich nicht relevant. Ein „mehr“ an Tweets zu diesen Themen ist daher eher abschreckend als „bedeutungsvoll und interessant“.

Angst vor fremden Inhalten?
Schon im August hat Daniel Fiene in einem Blogpost gefragt, ob wir Angst vor fremdem Wissen haben. Grundsätzlich eine gute Frage – aber gleichzeitig auch eine Frage, die den Kern des Problems für mich nicht trifft. Es ist kein „Angebot“ von Twitter, mir zusätzlich – wenn ich denn will – interessante Inhalte vorzuschlagen. Damit hätte ich kein Problem und vermutlich würde ich (aus Neugier) eine solche zusätzliche Spalte sogar bei Tweetdeck einrichten. Es ist nicht die Angst vor den Inhalten oder dem damit verbundenen Wissen – denn auch Retweets dieser Inhalte könnten ja jederzeit in meine Timeline kommen – sondern das Nichtachten meiner Auswahl. Es mag durchaus sein, daß mir gelegentlich spannende Themen und Inhalte entgehen und daß es Menschen gibt, denen ich unbedingt auch noch folgen sollte. Meine bisherige Erfahrung mit Twitter ist, daß mich wichtige Themen „irgendwie“ erreichen. Für mich reicht das – vor allem, da ich Twitter mehr zum Gespräch als zur reinen Information nutze. Insofern stört es mich, wenn Twitter (oder ein anderer Dienst) mir nicht nur Vorschläge macht, sondern tatsächlich über die Werbung hinaus in „meine“ Timeline eingreift. Letztendlich hat @PickiHH recht, wenn sie schreibt „Es ist halt eben nicht DEINE Timeline, sondern Twitters Timeline“.

Gerade eben habe ich noch ein „Beispiel“ entdeckt, wie gravierend die Auswirkungen sein können. Das konkrete Beispiel macht mich gerade nachdenklich und ratlos. Jeder „unerwünschte“ Tweet ist eigentlich schon ein Tweet zuviel – aber gar 40%?

Unerwünschte Inhalte sind ….
…. halt unerwünscht. Es ist der Gedanke der „Zwangsbeglückung“, die Idee des „wir wissen besser als Du selbst, was Du lesen möchtest“, der mich stört. Genauso genervt bin ich, wenn Anrufer mir Wein und Teppiche anbieten. Die üblichen „cold calls“ eben. Ähnlich genervt wäre ich, wenn ich mir im Fernsehen eine Dokumentation anschauen möchte und mir plötzlich stattdessen – mit der Begründung „Dein Netzwerk schaut das“ – eine völlig andere Sendung eingeblendet werden würde. Der unerwünschte Inhalt ist ein Störfaktor und gerade bei Twitter empfinde ich den Störfaktor stärker, weil es „bisher“ anders war (in meiner Timeline noch anders ist).

Die Folge?
Noch habe ich die Hoffnung, daß sich Twitter eines Besseren besinnt (und die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt). Insofern denke ich weder an Weggang noch an Streik. Natürlich werde ich die Entwicklung und meine Timeline jetzt kritischer beobachten. Enttäuscht bin ich trotzdem, denn ich habe den Eindruck, daß Twitter selbst den eigenen Vorteil gegenüber anderen Plattformen überhaupt nicht verstanden hat. Schade! Aber vielleicht ist Twitter ja lernfähig, denn unerwünschte und damit „kalte“ Tweets sind eben nicht für alle Nutzer bedeutungsvoll und interessant.

Das „Wie“ bestimmt den Nutzen …..

„Was ist der Nutzen von Barcamps“ fragt Rouven Kasten im Rahmen der Blogparade des Callcenter-Barcamps. Eine spannende Frage, die für mich aber ganz deutlich davon abhängt, wie ich als „Besucherin“ ein Barcamp nutze. Im folgenden möchte ich mir ein paar Gedanken über „Barcamp-Nutzungsarten“ und die daraus folgenden „Ergebnisse“ machen.

Grundsätzlich ermöglichen Barcamps – gerade auch im Gegensatz zu klassischen Konferenzen – eine sehr aktive Teilnahme. Doch auch eher zurückhaltende oder passive „Nutzungsarten“ sind möglich.

Zuhören und lernen
Was bei klassischen Konferenzen, Workshops und Vorträgen möglich ist, paßt natürlich auch bei Barcamps: man kann zuhören und dabei lernen. Es mag ungewohnt sein, daß man vorher nicht weiß, wer über welche Themen sprechen wird. Aber wenn ich zurückdenke, wie oft sich ein verheißungsvoll klingender Vortragstitel als inhaltlich enttäuschend herausgestellt hat, dann nehme ich diese „Unsicherheit“ gerne in Kauf. Bisher habe ich auf jedem Barcamp eine große Vielfalt unterschiedlicher Themen und Fragestellungen erlebt. So manche „unspektakulär“ klingende Session hat sich im Nachhinein als Lernjuwel herausgestellt. Ein Beispiel: die Session von Roland Judas beim Barcamp Köln zum Thema „Uberfication“. Was zunächst nur nach einem Taxi-/Mietwagenthema klang, entpuppte sich für mich beim weiteren Nachdenken als eine Diskussion über grundlegende Fragen zum Internet und zu digitalen Geschäftsmodellen.

Erfahrungen und Wissen teilen
Beim Thema „Uberfication“ habe ich tatsächlich nur zugehört, getwittert und nachgedacht. Bei vielen Themen kann ich jedoch meine Erfahrungen und mein Wissen einbringen. Gerade Sessions in denen Fragen diskutiert werden, bieten viele Möglichkeiten, über eigene gute oder schlechte Erfahrungen zu berichten, selber Fragen zu stellen, Buchtipps oder Links zu guten Internetquellen zu teilen. Meine Erfahrung: gerade wenn ich mich in den Sessions geäußert habe, haben sich für mich gute Gespräche ergeben. Selbst ein einfacher Buchtipp kann ein guter Gesprächsanlaß sein.

Vernetzen
Zugegeben: die „körperliche Anwesenheit“ auf einem Barcamp führt nicht automatisch zu guter Vernetzung – genausowenig wie die Teilnahme an Konferenzen. Vielmehr erfordert Vernetzung das aktive Tätigwerden. Am frühen Morgen fällt mir das manchmal durchaus schwer ….
Ein wichtiger Baustein meiner Barcampteilnahme ist die digitale Vernetzung. In der Regel twittere ich live aus den Sessions. Wahrscheinlich hat der ein oder andere Follower darüber auch schon mal leicht genervt geseufzt, aber interessanterweise ergeben sich durch das Twittern immer wieder spannende inhaltliche Diskussionen in der Timeline. Manchmal kann ich sogar Fragen und Informationen aus meiner Timeline in die Session zurückgeben. Für mich ist Twitter und die damit verbundene digitale Vernetzung daher ein wichtiger „Erfolgsfaktor“.
Aber auch die „reale“ (oder „analoge“) Vernetzung vor Ort darf nicht zu kurz kommen. Sessionthemen, gemeinsam besuchte Sessions oder auch die Frage nach schon besuchten Sessions oder auch Barcamps bieten gute Gesprächsanlässe. Klar ist aber auch, je aktiver man sich eingebracht hat, desto einfacher ist der Gesprächseinstieg!
Und nicht vergessen: mit interessanten Gesprächspartnern kann man sich auch „online“ vernetzen!

Fragen stellen!
Kein Mensch ist als Experte auf die Welt gekommen. Wir alle haben irgendwann mit einem Thema angefangen und uns – auch durch Fragen – unser Wissen und unsere Erfahrungen erarbeitet. Bei einem Barcamp sind Fragen mehr als willkommen. In der Regel (Ausnahmen bestätigen natürlich auch diese Regel) steht bei den Sessions das Interesse am Thema und nicht das Selbstmarketing im Vordergrund. Barcamps sind insofern ein guter Ort, um Experten einfach mal das zu fragen, was man schon immer mal fragen wollte – in einem Gespräch, in der entsprechenden Session oder gar als eigene „Fragesession“.

Eigene Session anbieten
Den größten „Nutzen“ hatte ich bisher immer dann, wenn ich selber eine Session angeboten habe. Dabei kann man an das Thema „eigene Session“ durchaus sehr unterschiedlich herangehen:
– man kann eine Frage stellen und (Experten-)Antworten sammeln
– man kann zu einem Thema eine Diskussionsrunde vorschlagen (zum Beispiel gab es beim Barcamp Köln Diskussionssession zu „Big Data“ und zur „Zukunft von Foren“)
– man kann etwas (zum Beispiel eine Methode) ausprobieren (ich habe bei meinem allerersten Barcamp – dem Barcamp Düren – ganz spontan eine Session mit der Pre-Mortem-Methode angeboten. Für mich war es eine spannende Herausforderung, der Lerneffekt war enorm.)
– man kann „sein Thema“ als Session anbieten.

Das Schöne: Barcampbesucher sind zwar durchaus kritisch, sie erwarten aber gerade keine „perfekte“ Präsentation. Schließlich sind wir ja auf einem Barcamp und nicht auf einer Konferenz!

Mein Fazit
Der Nutzen einer Barcampteilnahme hängt nach meiner Meinung klar vom Grad der eigenen Aktivität ab. Je mehr ich mich selbst sichtbar und hörbar einbringe, desto größer ist in der Regel mein „Nutzen“ – desto mehr lerne ich, desto interessanter sind meine Gespräche und desto besser ist meine Vernetzung.

Lebenslang ununitv …..

Ich kann mich noch gut an die letzten Junitage des letzten Jahres erinnern. Das Crowdfunding von ununitv stand kurz vor dem Abschluß, es fehlte noch ein relativ großer Betrag, um die „Erfolgsschwelle“ zu erreichen und wir haben bis zum allerletzten Tag getwittert und gezittert. Selten habe ich so oft auf einer Webseite „vorbeigeschaut“, wie damals auf der Crowdfundingseite bei startnext.

Heute vor einem Jahr (damals ein Montag) saß ich erleichtert und glücklich vor meinem Computer, denn wir hatten am frühen Abend das Crowdfunding erfolgreich abgeschlossen. Das Engagement bei ununitv war (und ist) vor allem eine intensive Zeit des Lernens und Ausprobierens.

Lernerfahrung: Hangout
Ein oder zwei kleine „interne“ Hangouts hatte ich schon vor meiner Begegnung mit #ununitv gemacht. Aber mit ununitv ging es dann richtig los: wöchentliche interne Hangouts, Übungsmöglichkeiten, im Mai der allerste Hangout on Air (HoA) und immer wieder das Beschäftigen mit Dingen, die mir vorher völlig fremd waren: wie richtet man im Hangout eine Bauchbinde ein, wo sollte man die Webcam positionieren, wie kann man die Lichtverhältnisse verbessern …… Ich bin sicherlich keine Expertin geworden, aber eine gewisse Grunderfahrung habe ich gewonnen.

Lernerfahrung: Crowdfunding
Noch spannender war die Lernerfahrung im Crowdfunding. Ich hatte mich vorher schon mit einem kleinen Betrag bei einem Crowdfunding beteiligt (nämlich beim C3S-Barcamp), den eigentlichen Prozeß hatte ich aber nicht begleitet. Bei ununitv habe ich viele Schritte auch von innen – also aus einer völlig anderen Perspektive – wahrgenommen. Wir haben in den vielen Hangouts über Texte, Inhalte und Vorgehensweise diskutiert, wir haben in Hangouts immer wieder erzählt, was wir uns von ununitv versprechen, wir haben unsere Twittertimelines mit Infos „überflutet“ und wir waren am Ende erfolgreich. Es war aber ein steiniger und arbeitsreicher Weg. Fragen, Anregungen und Kritik zum Projekt habe ich in der Zeit dankbar – aber manchmal auch ein bißchen ratlos – entgegengenommen. Aus dieser Zeit habe ich zwei wichtige Erkenntnisse mitgenommen:
(1) in jedem Konzept gibt es Schwachstellen. Das ist völlig normal. Gerade im Crowdfunding führen Schwachstellen jedoch zu zwei möglichen Reaktion: entweder das Projekt wird nicht unterstützt oder es wird kritisiert. Kritik ist für die Entwicklung von Konzepten sehr wertvoll, während das Crowdfunding läuft ist sie aber „zu spät“. Meines Erachtens wäre es wichtig, eine Art Testlauf vor dem Start des Crowdfundings zu machen, um (berechtigte) Kritik und offensichtliche Schwachstellen rechtzeitig zu erkennen.
(2) durch Crowdfunding kann man kein Netzwerk aufbauen, das Netzwerk muß vorher schon vorhanden sein. Es ist für ein erfolgreiches Crowdfunding meines Erachtens extrem wichtig, daß sich die Unterstützer auf ihren Kanälen einbringen und zu dem Projekt äußern. Je mehr Unterstützer dies tun, desto größer die Erfolgswahrscheinlichkeit (wenn das Konzept gut ist!).

Lernerfahrung: Gplus-Community
So begeistert ich von den Möglichkeiten der Hangouts bin, so genervt bin ich manchmal von der Community-Struktur bei Gplus. Vielleicht bin ich in der Hinsicht noch von früheren Gruppen bei Xing verwöhnt (damals, als die Xing-Welt für mich noch in Ordnung war). Aber ich finde es immer wieder mühsam, bei Gplus ältere Beiträge zu finden. Auch werden mir nur Antworten auf die Beiträge angezeigt, auf die ich selbst geantwortet habe. So manche wichtige Diskussion habe ich dadurch erst ziemlich spät entdeckt, weil ich auf den Ausgangsbeitrag nicht geantwortet habe. Etwas mehr „Übersichtlichkeit“ würde mich glücklich machen …..

Lernerfahrung: Erfolge müssen gefeiert werden
Die gemeinsame Crowdfunding-Arbeit für ununitv war sehr motivierend und hat mich mit Menschen ins Gespräch gebracht, die ich vorher gar nicht oder nur wenig kannte. Mit einem immensen Zeitaufwand haben wir immer wieder auf das Projekt aufmerksam gemacht, Menschen „angesprochen“, Fragen beantwortet, nach Multiplikatoren gesucht …… Nach dem erfolgreichen Ende waren wir erst einmal ziemlich erledigt. Wir wollten zwar irgendwann feiern, aber die Idee ist im Alltag untergegangen. Nach der „Sommerpause“ folgte für mich eine Zeit, in der ich stärker mit anderen Dingen beschäftigt war. Ja, und plötzlich hatte ich ein bißchen den Anschluß verloren und verfolgte die Entwicklung von ununitv eher aus der Ferne. Zumindest bei mir war die Luft ein bißchen raus und der Enthusiasmus des Frühsommers fehlte. Ich glaube, daß mir eine gemeinsame Feier des Erfolgs geholfen hätte, diesen Enthusiasmus zu bewahren.

Am letzten Wochenende haben wir dann endlich gefeiert – den ersten Crowdfunding-Geburtstag. Wie es sich gehört haben wir erst gearbeitet, dann angestoßen und dann gefeiert. Ich glaube, daß wir bei diesem gemeinsamen Treffen – auch wenn natürlich nicht alle dabei sein konnten – wieder einen guten Grundstein für eine weitere gemeinsame Entwicklung legen konnten. Wohin der Weg gehen wird, wird sich zeigen. Als Unterstützerin habe ich aber eine lebenslange Mitgliedschaft – auch ein schöner Gedanke!

Herzlichen Glückwunsch #ununitv – ich freue mich auf die nächste Feier!

Die Sache mit der Kundenzufriedenheit ….

Schon seit vielen Jahren nutze ich Bus und Bahn sehr intensiv, wenn ich irgendwo hin möchte. Man kann durchaus sagen, daß ich eine überzeugte Nutzerin bin – nein, man muß jetzt leider sagen war. Denn in den letzten Jahren machen es mir die Wuppertaler Stadtwerke und auch der VRR zunehmend schwer, eine begeisterte und zufriedene Kundin zu sein.

Nahverkehr ist natürlich immer ein schwieriges und komplexes Thema. Es kann – bedingt durch Unfälle oder auch Unwetter (Pfingstmontag zum Beispiel) schnell zu Verspätungen und Ausfällen kommen. Bis zum Sommer 2012 habe ich solche Verspätungen und Ausfälle als unglückliche Ausnahmen erlebt, über die ich – nach kurzem Grummeln – schnell hinwegsehen konnte, denn in der Regel war aus meiner Sicht „alles in Ordnung“. Aber seit Sommer 2012 ist das anders. Mein grundsätzliches Vertrauen in den regionalen Dienstleister hat gelitten. Zunächst waren da im August und September viele völlig ungeplante Busausfälle, die meine Zeitplanung völlig durcheinander gebracht haben. Den Seitenhieb auf den lokalen Anbieter WSW = wird sicher wegfallen konnte ich mir damals nicht verkneifen. Dann kam sehr schnell eine erhebliche Kürzung des Busangebots, die für mich zu einer deutlichen Verlängerung der Fahrzeiten – vor allem bei anschließender Zugnutzung – führte. Einen Dialog zu den Änderungen gab es – entgegen anderslautender Ankündigungen – nicht. Ab Mitte Juli wird es zusätzlich schwierig – denn aufgrund einer Großbaustelle rund um den Hauptbahnhof, sind erhebliche Änderungen und Einschränkungen (unter anderem längere Wege) notwendig. Bis vor wenigen Tagen hätte ich mich dazu nicht geäußert, denn ich habe dafür durchaus Verständnis.

Aber: am Dienstag las ich, daß die Fahrpreise in Wuppertal deutlich steigen werden. Wir sollen – zusammen mit Düsseldorf und Dortmund – in die Premium-Preis-Klasse A3 des VRR „aufsteigen“. Ich soll also einen Premium-Preis für ein deutlich beschränktes Angebot zahlen, bei dem ich zeitlich seit 2 Jahren einen erheblichen Mehraufwand habe?

Ich bin nicht mehr begeistert und zufrieden und natürlich möchte ich nicht mehr schweigen. Denn statt der versprochenen Abolust habe ich mittlerweile nur noch Abofrust. Statt irgendwelchen Extras und Vergünstigungen möchte ich endlich wieder ein attraktives Nahverkehrsangebot und ich möchte sehen, daß sich die Unternehmen um die Kunden ehrlich bemühen. Ein weiter Weg – sowohl für den VRR als auch für die WSW.

Wir sind das überwachte Volk!

Es gibt Momente, in denen mir Geschichte greifbarer und näher erscheint, als zu anderen Zeiten. Heute (17. Juni 2014) ist für mich so ein Tag. Es ist aber auch ein Tag, der mich nachdenklich macht. In Gedanken schlage ich einen Bogen von Mai 1949 über Juni 1953, Sommer und Herbst 1989 bis zum heutigen Tag.

Mai 1949: das Grundgesetz wird verkündet
Vor etwas mehr als 65 Jahren – am 23. Mai 1949 – wurde das Grundgesetz verkündet, am 24. Mai 1949 trat es in Kraft. In relativ kurzer Zeit erarbeitete der Parlamentarische Rat damals den Text und traf damit grundlegende Entscheidungen für Westdeutschland. Die Geschichte der Entstehung des Grundgesetzes kann man hier gut nachlesen. Dabei sind drei Aspekte für mich besonders interessant:
– Teil des Auftrags, den die Westallierten erteilten, war es, eine Verfassung auszuarbeiten, die Garantien der individuellen Rechte und Freiheiten erhält (Seite 4 des oben verlinkten Dokumentes „Blickpunkt Bundestag Spezial/Seite 6 des pdf)
– über die Bedeutung und Notwendigkeit der 19 Grundrechte, die am Anfang des Grundgesetzes stehen, waren sich die Mitglieder des Parlamentarischen Rates ziemlich schnell einig (Seite 15 des oben verlinkten Dokumentes „Blickpunkt Bundestag Spezial/Seite 17 des pdf)
– die Arbeit des Parlamentarischen Rates stieß in der Öffentlichkeit auf wenig Interesse (Seite 17 des oben verlinkten Dokumentes „Blickpunkt Bundestag Spezial/Seite 19 des pdf)

Besonders bemerkenswert finde ich den sprachlich-diplomatischen Coup, das Arbeitsergebnis nicht Verfassung sondern „Grundgesetz“ zu nennen. Mit dieser Bezeichnung konnte es „losgehen“.

Juni 1953: der Volksaufstand in der DDR
1953: Nur wenige Jahre nach der Verkündung des Grundgesetzes ging es den Westdeutschen schon richtig gut. In Ostdeutschland schöpften die Menschen nach Stalins Tod Hoffnung. Doch ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht. Am 17. Juni kam es zum Volksaufstand in der DDR statt. Die Forderungen der Menschen nach besseren Arbeitsbedingungen, Rücktritt der Regierung und freien Wahlen wurden blutig niedergeschlagen.

Auch in Westdeutschland hinterließ der Volksaufstand Spuren. Der Aufstand im Osten stieß in Westdeutschland auf breite Sympathie. Schon am 17. Juni gab es eine Solidaritätskundgebung in West-Berlin und in den folgenden Tagen auch in anderen westdeutschen Städten. Der Tag wurde zu einem nationalen Gedenktag und schließlich zu einem Feiertag – dem Tag der deutschen Einheit.

Der Feiertag am 17. Juni erinnerte immer wieder an den 17. Juni 1953, in Fernseh- und Zeitungsberichten bekamen auch die später Geborenen einen kleinen Einblick in das, was rund um diesen Tag in Ostdeutschland passierte und mit wieviel Mut und Hoffnung die Menschen auf die Straße gingen – auch wenn sich diese Hoffnungen damals nicht erfüllten.

1989: Wir sind das Volk
Erst vor ein paar Tagen wurde mir bewußt, daß es jetzt 25 Jahre her ist, daß die Mauer gefallen ist. Ich erinnere mich an Nachrichtenbilder mit Menschen in der überfüllten Prager Botschaft und an die Freude der Menschen, als der damalige Außenminister Genscher ihnen die Nachricht der Ausreise überbrachte. Vor allem aber erinnere ich mich an den so einfachen aber machtvollen Satz „Wir sind das Volk“. Es ist für mich immer noch unglaublich, wie schnell und friedlich die Mauer fiel. Das, was 1953 blutig endete, konnte 1989 friedlich und freudig erreicht werden. Ein Start in eine verheißungsvolle Zukunft für Ost- und Westdeutschland?

2014: Wir sind das überwachte Volk
Der rote Faden, der 1949, 1953 und 1989 verbindet, ist der Wunsch der Menschen nach guten Lebensbedingungen, Freiheit, Grundrechten und freien Wahlen. Gute Lebensbedingungen haben viele von uns sicher erreicht, wobei dies nicht heißt, daß es allen Menschen in Deutschland gut geht. Aber was ist mit unserer Freiheit und unseren Grundrechten? Seit letztem Jahr wissen wir, daß wir dauerhaft und grundlos überwacht werden. Egal ob wir soziale Netzwerke nutzen, im Internet surfen, telefonieren (oder demnächst auch Auto fahren), wir werden überwacht und das, ohne daß gegen uns ein Verdacht vorliegt. Aus dem kraftvollen Ruf „Wir sind das Volk“ ist die traurige Erkenntnis geworden „wir sind das überwachte Volk“. Aber: wollen wir das so stehenlassen?

Wollen wir das so stehenlassen?
Ja und nein.

Ja, denn wir sind im Moment das überwachte Volk. Die im Grundgesetz verankerten Grundrechte und die aus dem Rechtsstaatsprinzip abgeleitete Unschuldsvermutung bestehen zwar noch „auf dem Papier“, tatsächlich sind sie im Rahmen der vielfältigen Überwachungsaktivitäten blaß und inhaltsleer geworden. Die Trumpfkarte lautet immer wieder „Sicherheit“.

Nein, denn ich möchte das nicht so stehenlassen. Ich suche nach dem positiven Satz, der – wie damals 1989 – eine Wende in den Köpfen und Herzen der Menschen herbeiführt und sie gemeinsam für eine gute Zukunft arbeiten läßt.

Was wäre Ihr/Dein Satz für uns und unsere gemeinsame Zukunft?