#Bildungstag bei Twitter

Ganz kurz und eher zufällig habe ich heute den Hashtag „Bildungstag“ bei Twitter erspäht – denn heute war der erste europaweite #Educationday beziehungsweise #Bildungstag auf Twitter. Ich habe – leider – wenig davon mitbekommen, trotzdem möchte ich ein paar Zeilen dazu schreiben.

Bildung …..
Schon der Begriff „Bildung“ ist sperrig. Es gibt keine allgemeingültige Definition dieses Begriffes, aber die meisten von uns verbinden Bildung wohl mit formalen Systemen wie Schule und Hochschule. Oft steht eher das (formale) Ergebnis im Vordergrund, weniger der Weg zum Ergebnis. Begriffe wie Allgemeinbildung, Einbildung, Ausbildung, Weiterbildung und Fortbildung unterstreichen dieses Verständnis, sie haben nur noch mit den Ideal von Humboldt oder Kant zu tun. Auch die Ankündigung von Twitter stellte einen eher formalen Bildungsbegriff – „Austausch zwischen Personen und Institutionen, die sich mit dem Thema Bildung beschäftigen“ – in den Vordergrund. Ja, sicher wichtig, aber …

Lernen mit Twitter
Viel spannender finde ich es, Twitter zum informellen Lernen zu nutzen. Dieser Aspekt ist heute – soweit ich das sehen konnte – nicht zur Sprache gekommen. Durch meine Twittertimeline habe ich schon sehr viel gelernt – sowohl in meinem Fachgebiet als auch in vielen anderen Bereichen. Ich habe spannende (rechtliche) Diskussionen mitbekommen, lese viele verlinkte Beiträge und Artikel, ich informiere mich über aktuelle Trends und neue gesellschaftliche, rechtliche und auch technische Entwicklungen.

Es ist eine Art großes Serendipity-Prinzip – ich finde Wissensperlen ohne sie konkret zu suchen und ich kann spontan entscheiden, ob ich diesen „Wissenshäppchen“ folge und mich damit beschäftige oder ob ich „wegschaue“. Ja, das kostet oft Zeit und manchmal erscheint es auch ineffizient, andererseits bekomme ich so sehr schnell sehr vieles mit, das ich an anderen Stellen (beruflich und persönlich) wieder nutzen kann.

Meine Twittertimeline ist daher – gerade weil „Lernen“ gar nicht im Vordergrund steht – ein phantastischer Lernort.

Die Wahl des Obertiers

Gestern, als ich gegen Abend einen kurzen Spaziergang machte, trat plötzlich ein Fuchs auf mich zu. Ich erschrak natürlich, doch er sagte sofort „Keine Angst, ich möchte Dir nur eine Geschichte erzählen.“ Es war eine unglaubliche Geschichte und deshalb schreibe ich sie auf, solange sie mir noch gut im Gedächtnis ist.

Eines Tages wollten die Tiere ein neues Obertier wählen. Der Bär, der schon lange das Obertier gewesen war, trat natürlich wieder zur Wahl an. Als großes und starkes Tier – so fand er – gebührte ihm die Wiederwahl. Aber was ist eine Wahl ohne Gegner? Das Wiesel, das schon länger im Rat der Tiere gemeinsam mit dem Bären gearbeitet hatte, trat ebenfalls zur Wahl des Obertieres an.
Zunächst konnten sich die Tiere nicht so richtig entscheiden, ob sie lieber den Bären oder das Wiesel als Obertier wählen wollten. Eine Stichwahl mußte her.

Nur wenige Tiere zeigten wirklich Interesse an der Wahl. Viele waren gelangweilt, resigniert und lustlos. Der Hund, der auf der Bühne des Waldes, das zweite Tier der bremisch-stadtmusikalischen Vereinigung war, hatte jedoch eine deutliche Meinung zu dieser Wahl. Damit möglichst viele Tiere diese Meinung mitbekamen ritzte er in seinen Baum – an dem immer viele Tiere vorbeikamen – eine deutliche Botschaft. Er warf (in derber Sprache) dem Bären den Winterschlaf und seine Liebe zu Honig vor, lobte die Flinkheit und Energie des Wiesels und sagte ihm eine glänzende Zukunft voraus, wenn es sich nur deutlich genug vom Bären fernhalten würde. Einige Tiere vernahmen die Botschaft, auch der Bär.

Der Bär war verletzt, sehr verletzt. Das war einerseits verständlich – denn wer wollte schon ein Wiesel als Obertier bevorzugen, wenn man einen großen und starken Bären haben konnte; andererseits war es nicht verständlich – konnte denn ein großer und stärker Bär Angst vor einem Wiesel und der Äußerung eines Hundes haben?
Vielleicht hätten Bär, Wiesel und Hund diese Frage – wie andernorts schon erprobt* – in einem Gesangswettwerb geklärt. Aber die Zeit war knapp, der Honig vielleicht auch und der Bär schon leicht ungeduldig. So schickte er dem Hund und der bremisch-stadtmusikalischen Vereinigung nur eine kurze Botschaft, in der er sein Mißfallen an den Baumkritzeleien des Hundes ausdrückte.

Vermutlich war der Bär schon damit zufrieden, daß er überhaupt etwas unternommen und damit seine Größe und Stärke gezeigt hatte, vielleicht ging der Bär auch davon aus, daß der Hund seine Baumkritzeleien schnell entfernen oder zumindest ändern würde. Wir wissen es nicht.
Die Sperlinge pfiffen es von den Dächern als die bremisch-stadtmusikalische Vereinigung – vertreten durch ihr Obertier, die Katze – sich auch noch äußerte. Hund und Katze halt – das ist halt immer ein ergiebiges Thema und man ahnt schon, daß die Äußerung für den Hund nicht besonders angenehm ausfiel. Die Katze forderte vom Hund Neutralität und Pfotengefühl. Als zweites Tier der bremisch-stadtmusikalischen Vereinigung sei er dazu verpflichtet. Der Hund war erbost und berief sich auf die Verfassung der Tiere, die auch ihm ein Recht gibt, seine Meinung in seinen Baum zu ritzen. Auch dies ritzte er natürlich in seinen Baum.

Die Sperlinge hatten viel zu pfeifen in diesen Tagen und waren am Abend sicherlich rechtschaffen müde. Die Tiere waren mittlerweile ermüdet und während Bär und Wiesel sich um die Wahl des Obertiers kümmerten, waren auch Hund und Katze „gut“ beschäftigt.

Der Fuchs lief schweigend neben mir her. Und – fragte ich – wer hat die Wahl des Obertiers gewonnen? Das ist nicht die richtige Frage antwortete der Fuchs. Wichtiger ist eigentlich, ob es irgendjemanden gibt, der nicht verloren hat. Während ich noch über diese Antwort nachdachte, verschwand der Fuchs im Wald. Unter dem nächsten Baum fand ich ein aufgeschlagenes Büchlein – ganz dick stand dort „Meinungsfreiheit“.

* Jorge Bucay: Gesangswettbewerb

Falsche Frage …….

Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Einfluß die Formulierung einer Frage auf den Inhalt und den Verlauf eines Gesprächs/einer Diskussion haben kann. Gute Fragen können „wie Küsse schmecken“ (so auch der Titel eines sehr spannenden Buches von Carmen Kindl-Beifuß) und damit gute und spannende Gespräche eröffnen, weniger gute Fragen verbauen den Weg zum Gespräch, setzen den Befragten manchmal sogar unter Druck oder stellen ihn bloß (anschaulich geschildert im Buch „Warum? Von der Obszönität des Fragens“ von Aron Ronald Bodenheimer).

Warum ich dieses Thema jetzt aufgreife? Sonntag vor einer Woche entspann sich auf Twitter eine Diskussion rund um das Thema Live-Streaming von Sessions auf Barcamps. Die Frage, die – zunächst unausgesprochen – im Raum stand, war „Live-Streaming bei Barcamps – pro oder contra?“ Eine offene Frage, die völlig unterschiedliche Sichtweisen und Aspekte im Rahmen des Gesprächs zuließ. So haben wir im Verlauf des Sonntags unter anderem über die Vor- und Nachteile für Sessiongeber, Teilnehmer, abwesende Interessierte, Orga-Teams und Sponsoren gesprochen. Die „Streaming-Kompatiblität“ unterschiedlicher Inhalte war ebenso Thema wie die Frage der Sponsorengewinnung und damit der Finanzierung von Barcamps. Die 140-Zeichen-Begrenzung bei Twitter war für uns alle immer wieder eine Herausforderung – es ist gar nicht so einfach, komplexe Inhalte in kurzen Tweets halbwegs verständlich darzustellen. So war es nicht verwunderlich, daß wir auf die Idee kamen Blogbeiträge zu „Livestreaming bei Barcamps – pro oder contra?“ zu schreiben. Der „pro-Beitrag“ erschien im Stream-Café, mein „contra-Beitrag“ in diesem Blog, weitere Beiträge werden vielleicht noch folgen.

Gerade weil die Diskussion zu dem Thema sehr spannend war, fand ich die Idee, das Gespräch in einem Hangout fortzusetzen zunächst gut. Dabei bin ich aber davon ausgegangen, daß auch dem Gespräch im Hangout dieselbe offene Fragestellung „Livestreaming bei Barcamps – pro oder contra?“ zugrundeliegt. Eine Fehlannahme! Aus der offenen Ursprungsfrage ist nämlich „Geschützte Räume, Autorisierungen, Regeln: Wie offen sollen Barcamps sein?“ geworden. Das mag aus Sicht der Streaming-Befürworter eine wichtige Frage sein, mit der offenen Ursprungsfrage hat diese Frage aber nichts mehr zu tun. Vielmehr steckt in der Frage schon die wertende Grundannahme und „Unterstellung“, daß ein Barcamp ohne Streaming gerade nicht offen ist. Das sehe ich anders und dazu werde ich sicherlich irgendwann auch etwas schreiben.

Wesentlich ist für mich aber folgender Punkt: es macht für mich keinen Sinn, eine derartig einseitig formulierte Frage in einem Hangout zu diskutieren. Die Fragestellung lädt gerade nicht dazu ein, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten und zu hinterfragen, es ist auch keine Weiterführung der ergebnisoffenen Diskussion, denn die Frage beinhaltet das (gewollte) Ergebnis ja schon. Schade, denn so hat die Diskussion ihren Charme völlig verloren!

Livestreaming bei Barcamps?

Das zufällige und eher flüchtige Scrollen meiner Twittertimeline am späten Sonntagvormittag führte mich heute mitten in eine spannende Diskussion rund um das Thema „Livestreaming“. Das Barcamp Rhein-Main wird – wie auch schon in den vergangenen Jahren – zum Teil live gestreamt und zwar jeweils eine Session von insgesamt wohl sechs gleichzeitig stattfindenden Sessions. Auf den ersten Blick eine gute Idee, auf den zweiten Blick …..? Und so sprach mir eine skeptische Antwort auf eine eher enthusiastische Ankündigung aus der Seele und führte mich dazu, mitzudiskutieren.

Auf den ersten Blick …..
…. ist es natürlich toll, wenn man auch aus der Ferne spannende Sessions bei einem Barcamp mitverfolgen kann. Das habe ich – gerade beim Barcamp Rhein-Main – sogar schon einmal gemacht. 2013 konnte ich nicht persönlich teilnehmen, über das Livestreaming konnte ich die Session von Thomas Zimmerling zum „Social Storm“ verfolgen. Diese wirklich gute Session ist auch nach wie vor online. Also eigentlich alles ganz wunderbar, oder? Nein, denn …..

Auf den zweiten Blick ….
…. spüre ich ein „gewisses Unbehagen“. Es ist eine Sache, daß ich als (ferne) Nutzerin davon profitiere, Veranstaltungen aus der Ferne live zu verfolgen. Als Anwesende vor Ort stellt sich die Situation für mich anders dar. Viele der richtig guten Barcamp-Sessions leben davon, daß eine offene Diskussion mit (zum Teil auch sehr persönlichen) Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer stattfindet. Kann da, wo eine Kamera alles aufzeichnet, live streamt und dauerhaft bewahrt, eine solche offene Diskussion noch möglich sein? Reicht es aus, daß die Teilnehmer wissen, daß die Session gestreamt/aufgezeichnet wird? Oder beeinflußt dieses Wissen die Entscheidung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, ob sie die Session besuchen und ob sie wirklich mitdiskutieren? Was geht uns möglicherweise vor Ort verloren, weil wir Gesprächsräume „unkontrolliert“ nach außen öffnen?

Vor Ort gibt es natürlich unterschiedliche Perspektiven und Interessen. Es gibt die Perspektive der Veranstalter, die natürlich – immer wieder – das Finanzierungsproblem haben. Führt Livestreaming (beziehungsweise die damit verbundene „Reichweite“) tatsächlich zu höheren Sponsoringeinnahmen?
Dann gibt es noch die Perspektive der Sessiongeber. Für einige mag Livestreaming durchaus ein (Selbst-) Marketingvorteil sein, für andere paßt es vielleicht nicht zum geplanten Inhalt.
Schließlich gibt es noch die Perspektive der Sessionteilnehmer – inwieweit beeinflußt Streaming deren Bereitschaft, aktiv (also mit Fragen und Äußerungen) an einer Session teilzunehmen?

Meine eigene Perspektive
Aus eigener Erfahrung kenne ich die Perspektiven als (aktive und passive) Sessionteilnehmerin und als Sessiongeberin. Als Sessionteilnehmerin weiß ich „vorher“ natürlich nicht, ob beziehungsweise wie ich mich inhaltlich beteiligen werde. Oft besuche ich Sessions, deren Thema ich spannend finde – gerade weil ich mich mit einem Thema noch gar nicht oder nur wenig beschäftigt habe. Je weniger ich über ein Thema weiß, desto schwieriger ist natürlich eine aktive Diskussionsteilnahme im Rahmen der Session, trotzdem besteht natürlich die Möglichkeit Fragen zu stellen – zum Beispiel zu benutzten Begriffen oder Hinweisen zur Vertiefung. In der Regel twittere ich aus den von mir besuchten Sessions – mich ansprechende Inhalte der Sessions, Fragen der anderen Teilnehmer, die das Thema für mich vertiefen oder andere Aspekte aufwerfen, Fragen und Verbindungen zu anderen Themen, dir mir plötzlich einfallen – oft entsteht so ein Gespräch mit fernen (und mir zum Teil sogar unbekannten) Twitternutzern.

Als Sessiongeberin nutze ich Barcamps gelegentlich, um neue Themen und/oder neue Methoden auszuprobieren. Das Gespräch – der offene Austausch – steht für mich bei meinen Sessions im Vordergrund. Es muß allen Teilnehmern möglich sein, (vermeintlich „dumme“) Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen zu berichten und von den den Fragen und Anmerkungen der anderen zu lernen. Dafür brauche ich eine Art geschützten Raum. Es geht nicht darum, daß niemand über die Session berichtet, sondern eher darum, daß für eine kurze Zeit die gemeinsame Arbeit an einem Thema/das gemeinsame Nachdenken über eine Frage im Vordergrund steht. Livestreaming würde diese „Illusion“ des geschützten Raums zerstören und mit der Dauerhaftigkeit des Abrufs durch den gespeicherten Stream gerade auch die Leichtigkeit und Flüchtigkeit der Gespräche stören.

Mehr Flüchtigkeit!
Bei „Flüchtigkeit“ denkt man natürlich schnell an fehlende Aufmerksamkeit, an „Flüchtigkeitsfehler“. Der Duden führt als Synonyme für „Flüchtigkeit“ jedoch auch Kurzlebigkeit und Vergänglichkeit an. Nicht alles, was speicherbar ist, muß auch gespeichert werden. Für mich besteht der wesentliche Teil eines „guten“ Barcamps aus Gesprächen – aus den Gesprächen in den Sessions, aus den Gesprächen in den Pausen und am Abend und aus den Gesprächen über Twitter. Diese Gespräche „speichere“ ich in meinem Kopf und meinem Herzen, ich brauche für diese Gespräche keinen externen technischen Speicher, weil diese Gespräche in ihrer Einzigartigkeit aus der jeweiligen Situation flüchtig entstehen – eine zufällige Begegnung an der Kaffeemaschine, ein Stichwort auf dem Flur, eine Frage in der Session. Livestreaming und Aufzeichnung nehmen den Gesprächen diese Leichtigkeit und Flüchtigkeit, die auch das Ausprobieren provozierender Thesen und „brisanter“ Äußerungen erlaubt, die gut zur Atmosphäre vor Ort passen, aber von fernen „Zuschauern“ gar nicht nachvollzogen werden können und ihren Kontext verlieren.

Mein Fazit
Ich möchte das Livestreaming keinesfalls „verteufeln“, ich persönlich glaube aber nicht, daß es für ein Barcamp „gut“ ist. Meine Diskussionsfreude ist bei gestreamten Sessions deutlich gedämpft, ich selber möchte meine Sessions auch nicht zum Livestreaming anbieten, weil mir der echte offene Austausch wichtiger ist als die mögliche Reichweite.

Vermutlich habe ich jetzt viele wichtige Aspekte ausgelassen, aber es wird sicherlich noch andere Beiträge zu diesem Thema geben.

Herzlichen Dank jedenfalls für die spannende Twitterdiskussion an Sascha Hüsing, Sebastian Greiner (der hinter @LivestreamFfm steckt) und Jan Theofel.

Nur wer sich zeigt ….

…. kann auch gesehen werden! Das ist zumindest für mich die wichtigste Erkenntnis aus einem Gespräch beim Barcamp Ruhr #bcruhr8 und der Session von @LeseratteJ und @JuliaSpunkt zum Thema „Quereinstieg in Social Media“.

Karsten Lohmeyer hat bei seinem Auftritt auf der „Rock the Blog 2015“ am Beispiel „Bloggen“ die Chancen, die wir heute – als potentielle selbständige Publizisten aber auch als Prosumenten im Sinne von Rifkin – haben, sehr schön herausgearbeitet. Noch wichtiger: er hat eindrucksvoll berichtet, was er selbst aus dieser Chance gemacht hat. Aber zum Ergreifen dieser Chance gehört auch Selbstmarketing und da kommen wir zum Thema Social Media. Was aber braucht man, um Social Media – vor allem im Beruf – „erfolgreich“ einzusetzen zu können?

Was zählt? Zertifikat oder Wissen?
Der Bereich Social Media hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Wenn ich an meine ersten „interaktiven“ Schritte im Internet zurückblicke, dann denke ich vor allem an Mailinglisten und Foren. Auch wenn die Entwicklung im Rückblick rasant erscheint, so hatte ich doch die Chance nach und nach in diesen Bereich hereinzuwachsen, Plattformen und Interaktionsformen auszuprobieren (und auch wieder zu verwerfen) und Vorlieben zu entwickeln.

Als „Social Media“ Einzug hielt, war ich schon berufstätig, während meines Studiums gab es diesen Bereich noch nicht. Aber auch heute ist „Social Media“ in vielen (vermutlich den meisten) Ausbildungs- und Studiengängen (noch) kein Thema, auch heute müssen Berufsanfänger und Jobwechsler sich diese Kenntnisse selbst aneignen – um sich selbst zu vermarkten, um ihre Chancen auf einen guten Job zu erhöhen oder auch für einen richtigen Quereinstieg. Schon seit geraumer Zeit werden von vielen Einrichtungen entsprechende Kurse angeboten. Ich selbst bin als Dozentin für den Bereich „Recht“ in einem Kursangebot der LVQ für angehende Social-Media-Manager tätig. Also ein Kurs mit Zertifikat als richtiger Weg?

Nein, ganz so einfach ist es aus meiner Sicht nicht und dies wurde in der Barcampsession zum Thema „Quereinstieg in Social Media“ auch angesprochen. Nicht das Zertifikat ist das eigentlich Wertvolle an der Weiterbildung (auch wenn viele Unternehmen/potentielle Arbeitgeber dies so sehen mögen), wirklich wertvoll ist das erworbene Wissen, die unabhängig von konkreten Plattformen erworbene Handlungskompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Weiterbildung kann insoweit immer nur eine Grundlage sein, auf der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann konkret aufbauen.

Wo anfangen? Eine Frage der Glaubwürdigkeit ….
Wo aber sollen die zertifikatsgeprüften Teilnehmerinnen und Teilnehmer anfangen? Das ist die Crux an diesem Thema. Einerseits ist das Zertifikat in vielen Unternehmen eine notwendige Voraussetzung, andererseits ist ein Zertifikat noch lange kein Türöffner. Woher soll das Unternehmen auch wissen, ob der-/diejenige auch wirklich weiß, was er/sie da tut ….. Theoretisches Wissen – erworben durch Kurse, Buch- und Bloglektüren – kann da nur eingeschränkt weiterhelfen, wichtiger ist die konkrete Anwendung im praktischen Leben. Wer zeigt, daß er/sie ein Netzwerk aufbauen, ein Thema virtuos bespielen kann, der zeigt über die Theorie hinaus Glaubwürdigkeit und ist vielleicht schon einen Schritt weiter. Dieser erste Schritt kann durchaus im Rahmen eines Praktikums oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit stattfinden, oder im Rahmen eines eigenen Herzensprojekts. Darin steckt eine große Chance ….

…. und eine Last
Es ist gleichzeitig eine große Last, das für eine Bewerbung oder einen Quereinstieg, der Wissensnachweis nicht (mehr) ausreicht. Wer hat als Berufsanfänger schon die Zeit und auch die finanziellen Möglichkeiten flugs ein eindrucksvolles Projekt oder Netzwerk aufzubauen? Vernetzung und Projektaufbau brauchen Zeit, Ideen und auch eine gewisse Gelassenheit, wenn etwas nicht (sofort) funktioniert. Die Spirale des „ich-bin-besser“ oder „ich-bin-kreativer“ ist nicht für alle von uns eine positiv empfundene Herausforderung.

Das Herzensprojekt ….
Dennoch glaube ich, daß ein „Herzensprojekt“ ein guter Einstieg sein kann. Wir alle haben unterschiedliche Interessen und Ansichten. Wer es wagt, ein Thema, das ihr/ihm am Herzen liegt, herauszugreifen, es sichtbar zu machen, der schafft es auch leichter, selber sichtbar zu werden. Karsten Lohmeyer ist dafür ein gutes Beispiel, Karin Krubeck auch!
Ja, das sind große Projekte, aber auch diese Projekte haben einmal klein angefangen – mit einer Idee, mit ein paar Beiträgen, den passenden Social-Media-Präsenzen …… sicherlich auch einigen Fehlern, aber vor allem mit viel Begeisterung und Herzblut für das gewählte Thema!
Natürlich kann man dabei scheitern, aber ganz ehrlich: lieber scheitern, als nicht einmal anfangen!

Danke….
… an das Barcamp Ruhr, in dessen Rahmen die Gespräche und die zugrundeliegende Session stattfanden. Mein besonderer Dank gilt dem Orgateam bestehend aus Berthold Barth und Maik Wagner sowie den Sponsoren, die Djure Meinen so schön zusammengefaßt hat:

Was Schumpeter auf dem Barcamp zu suchen hat ……

Ende Februar war das erste Barcamp in Bonn #bcbn15 und ich war – trotz immer noch starker Erkältung – ab der Mittagszeit dabei. Gesundheitlich vielleicht nicht ganz so weise, inhaltlich eine gute Entscheidung, denn das Barcamp hat mir gut gefallen. Von daher möchte ich ein herzliches Dankeschön an das Orgateam und auch an die Sponsoren aussprechen – Ihr habt eine tolle Arbeit geleistet und eine schöne Atmosphäre geschaffen!

Das Barcamp ist nur der Rahmen ….
Das Orgateam (bestehend aus Karin, Johannes und Sascha) und das Forum Internationale Wirtschaft haben uns einen angenehmen Rahmen zur Verfügung gestellt, die Aufgabe aller Anwesenden ist – wie bei jedem Barcamp – diesen Rahmen auch angemessen zu füllen.

Ich habe letzten Samstag – auch bedingt durch meine späte Ankunft und meine Erkältung – nur wenige Sessions mitbekommen. Dafür habe ich ein kurzes aber sehr spannendes Gespräch mitverfolgt, in dem es genau um die Frage der vorgeschlagenen und angebotenen Inhalte ging. Und nein, es geht mir nicht um Kritik an den angebotenen Sessions, sondern eher um die Frage, ob und wie wir mehr thematische und methodische Vielfalt erreichen können.

Es kostet natürlich Überwindung, sich überhaupt erst einmal bei einem Barcamp „vorne“ hinzustellen, eine Session vorzuschlagen und diese dann auch zu halten. Ich freue mich immer wieder, wenn ich auf Barcamps komplett neue Sessiongeber (und -geberinnen) und/oder neue Sessionthemen erlebe. Von daher geht mein Dank auch an alle, die letzte Woche eine Session gehalten haben – auch wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt erleben konnte. Jede Session erfordert Vorbereitung – nicht unbedingt eine fertige Präsentation, aber doch eine Idee und eine Vorstellung, was in der Session passieren soll, welche Themen angeschnitten werden sollen, ob es eher eine Diskussion oder ein Vortrag sein soll …… oder doch ganz anders?

Denn gestern kamen in einem Gespräch zwei Punkte auf, die mir so wichtig erscheinen, daß ich sie hier aufgreifen möchte:
– warum gibt es eigentlich kein Barcamp oder zumindest nicht mehr Sessions bei denen praktische Erfahrungen im Vordergrund stehen? Also auch mehr Sessions in denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selbst praktische Erfahrungen machen können ……
– warum beschränken wir uns methodisch oft auf (theoretische) Vorträge und Diskussionen?

…. für innovative Inhalte und Kombinationen …..
Und genau hier kommt Schumpeter ins Spiel. Gunnar Sohn hat gestern eine Session zu Schumpeter gemacht – wobei es ihm vor allem um die Persönlichkeit Schumpeters, sein Leben und die Entdeckung seiner Spuren in Bonn ging. Laut Schumpeter ist eine Innovation nicht nur eine Neuerfindung, sondern auch eine neue Kombination von bereits vorhandenen Dingen/Faktoren. Schumpeter hat dies natürlich unmittelbar auf den Bereich der Wirtschaft bezogen. Es paßt aber gerade zu einer Session über Schumpeter, den Begriff auch wieder innovativ – also in einer neuen Kombination – anzuwenden und zwar gerade in bezug auf Barcamps und die Sessions auf einem Barcamp. Interessanterweise paßt die von Schumpeter für die Wirtschaft entwickelte Theorie auch zu den Tätigkeitskategorien, die der russische Künstler Kasimir Malewitsch formuliert hat. Malewitsch spricht von drei Tätigkeitskategorien – dem Erfinden (als Gestaltung des Neuen) und dem Kombinieren (als Umgestaltung des Vorhandenen) als „progressiven“ Tätigkeiten und dem (als „reaktionär“ bezeichneten) Reproduzieren (Nachbildung des Vorhandenen). Sowohl für Malewitsch als auch für Schumpeter ist die Neukombination eine „innovative“ Tätigkeit.

Spannender Gedanke, oder? Wir kombinieren einfach „Dinge“ neu und bekommen spannende neue Sessions und viel Gesprächsstoff. Zugegeben, es ist manchmal schneller und einfacher, zu einem Thema oder einer Frage einen kurzen Vortrag zu entwickeln oder eine Diskussion zu moderieren und natürlich können diese Sessions auch sehr spannend und inhaltsreich sein.

Barcamp als Experimentierfeld?
Was aber wäre, wenn wir das Barcamp als unser Experimentierfeld ansehen? Wenn wir uns also immer wieder bemühen, für uns neue Inhalte und Themen kennenzulernen und aufzugreifen und nach und nach auch neue Kombinationen auszuprobieren? Wenn wir – nach dem allerersten Überwinden – nicht bei einem Thema/einer Methode verbleiben, sondern immer wieder „Neues“ wagen? Dann würde es immer wieder Überraschungen für uns geben – für alle von uns! Ein schöner Gedanke, oder?

Lebenslange Lernlust!

Es war einmal die Lernlust ….. – so lautet die Aufgabe, die Bob Blume uns (bis einschließlich heute!) in seiner Blogparade stellt. Es ist also höchste Zeit, das Thema aufzugreifen, bevor es zu spät ist!

Lesen – der Beginn einer großen Leidenschaft
Um die Schulzeit soll es gehen – genauer gesagt um Lernlust während der Schulzeit. Ganz ehrlich: ich habe immer gerne gelernt und ich bin auch gerne zur Schule gegangen. Lediglich den Sportunterricht mochte ich überhaupt nicht und auch die Handarbeiten in der Grundschule waren nicht meine große Leidenschaft. Aber die Schule hat mir den Weg zu den Büchern und zum Lesen geöffnet – zur großen Leidenschaft meines Lebens!

Referate – über Neugier und Recherche
Lernlust verbinde ich weniger mit einzelnen Fächern oder Lehrern, ganz stark aber mit dem Thema „Referate“. Ich war in der Schule immer recht ruhig, mündliche Mitarbeit war weder meine Leidenschaft noch meine Stärke. Wirklich begeistert hat mich immer wieder die Möglichkeit, ein Thema im Rahmen eines Referats zu erarbeiten und zu vertiefen. Egal ob es die Vorstellung eines Romans für den Deutschunterricht (Martin Walser – Ein fliehendes Pferd) oder die Beschreibung des Aufbaus eines Atomreaktors für den Physikunterricht (Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor in Hamm-Uentrup) war, ich habe die Chance begeistert ergriffen und mich in das Thema vertieft. Dabei habe ich viel gelernt – unglaublich viel!

Natürlich war die „Recherche“ damals noch rudimentär. Ein Gang in die Stadtbibliothek, das Heraussuchen von ein paar passenden Büchern, das Zusammentragen der Informationen. Aber ich habe damals – ohne es zu wissen oder zu merken – den Grundstock für mein späteres Studium und für meine berufliche Tätigkeit gelegt: eben mit der entsprechenden Neugier auch neue Gebiete und Frage mit Recherchemethoden erarbeiten zu können und das Ergebnis auch noch vor einer Gruppe zu präsentieren. Das Wichtigste: diese Recherchen haben mir Spaß gemacht und immer wieder habe ich weitere Bücher zu Schulthemen ausgeliehen und gelesen, so zum Beispiel ein ziemlich dickes Buch über Talleyrand als wir die französische Revolution besprachen. Gerade weil das nicht notwendig war, hat es so viel Spaß gemacht! Lernlust ist für mich einfach auch ein anderes Wort für Neugier! Und diese Neugier habe ich während meiner Schulzeit so richtig „ausgelebt“!

Fremdsprachen – das Tor zur Welt
Schon während der Schulzeit gehörte meine große Leidenschaft den Fremdsprachen. Meistens hatte ich die Schulbücher auch relativ schnell schon irgendwie „durchgelesen“ und kannte dann schon die langweiligen Lehrbuchdialoge zwischen Betty und Peter oder die kleinen Berichte über gesellschaftliche und politische Themen. Umso dankbarer war ich, als wir auch in den Fremdsprachen mit Lektüren, Zeitschriften (ich erinnere mich noch an das Newsweek-Abo und die monatelang danach noch eintrudelnde Werbung ……) und Radiomitteilungen arbeiten „mußten“. Das war schon eine ziemliche Herausforderung, aber auch eine wahnsinnig große Chance. Natürlich habe ich dann einen Englisch-Leistungskurs gewählt und irgendwann zwischendurch meine (damals noch bescheidenen) Sprachkenntnisse in England ausprobiert.

Besonderen Spaß hat es mir dann gemacht, Kinderbücher in der englischen Sprache zu lesen. Ja, natürlich war ich damals eigentlich schon zu alt für Kinderbücher – aber das „Brer Rabbit Book“ habe ich mir wirklich Wort für Wort „erobert“. Auch wiederum etwas, das ich nicht tun mußte, das mir – trotz aller Arbeit – Spaß gemacht hat und von dem ich heute noch zehre. Sowohl von der „gelernten“ Ausdauer als auch von den vielen Vokabeln, die ich damals ohne Zeitdruck gelernt habe.

Kreativität – das große Ausprobieren im Deutschkurs
Ab der 9. Klasse hatten wir einen „modernen“ Deutschlehrer, der sowohl auf Diskussionen als auch auf Kreativität sehr viel Wert legte. Wir hatten in jeder Klassenarbeit die Auswahl zwischen zwei unterschiedlichen Aufgaben – einer analytischen Aufgabe (zum Beispiel Analyse eines Gedichts) und einer kreativen Aufgabe (zum Beispiel ein Gedicht in einem bestimmten Versmaß oder einen Werbespruch schreiben). Meistens habe ich mit der analytischen Aufgabe angefangen und dann doch noch die kreative Aufgabe gemacht. Auch das natürlich völlig unnötig, aber so hat sogar das Klausurenschreiben Spaß gemacht und ich habe für mich entdeckt, daß ich eine kreative Ader habe (die aber definitiv keine „Bastelarbeiten“ oder „Malereien“ umfaßt).

Und danach?
Ich war traurig als die Schulzeit vorbei war (nur den Sportunterricht habe ich keine Sekunde vermißt!). Aber ich konnte damals noch nicht einschätzen, wieviel ich aus dieser Zeit an wertvollen Erfahrungen für mein Studium und meinen Beruf mitgenommen habe. Die Liebe zu Büchern, zu Fremdsprachen und zur Recherche sind mir geblieben und ich zehre heute noch von den Grundlagen, die ich damals bilden konnte.

Gleichzeitig habe ich glücklicherweise schnell gelernt, daß Lernen und Lernlust mit der Schule nicht vorbei sind, sondern danach gerade erst richtig anfangen! Lernlust ist ein lebenslanges Thema und so lese ich noch heute begeistert Bücher und Zeitschriften in Fremdsprachen, lerne neue Vokabeln und sogar neue Sprachen, entdecke neue Themenfelder und recherchiere in Bereichen, die mir noch nicht vertraut sind. All das ist für mich „Lernlust“ und all das möchte ich in meinem Leben nicht missen!

Neue Gedanken zum Thema Barcamp

Schon öfter habe ich in diesem Blog etwas über Barcamps geschrieben. Ich habe den Besuch meines ersten Barcamps beschrieben, mir grundsätzliche Gedanken zum Thema Barcamp gemacht, an den Blogparaden „Mein erstes Barcamp“ und „Was ist der Nutzen von Barcamps“ teilgenommen.Als Insa Künkel gestern fragte

fühlte ich mich – natürlich sofort angesprochen. Gleichzeitig machten (und machen) mich zwei Blogbeiträge von Torsten Maue und Christian de Vries nachdenklich.

Was fasziniert mich also an Barcamps?
Im Laufe der Jahre habe ich ziemlich viele Konferenzen, Tagungen, Workshops, Seminare und (Weiterbildungs-) Veranstaltungen aller Art besucht. Meistens gab es ein verbindendes Merkmal: der- oder diejenige „vorne“ sprach, alle anderen hörten zu – manchmal mit der Möglichkeit in den letzten Minuten ein paar Fragen zu stellen. Wie oft habe ich bedauert, daß es keinen Austausch, keine Diskussion, keine Ideensammlung mit allen Anwesenden gab, wie oft war ich enttäuscht, wenn hochaktuelle Entwicklungen überhaupt nicht oder nur am Rande angesprochen wurden, wie oft war ich genervt, wenn der/die Vortragende meine Erwartungen nicht erfüllte.

Was aber ist bei Barcamps anders?
– es finden zeitgleich mehrere Sessions statt, man kann also auswählen, was man sich anhört (und bei Nichtgefallen kann man die Session auch verlassen)
– jeder kann ein Thema/eine Frage als Session anbieten – eben auch als Diskussionssession
– in den meisten Sessions freuen sich die Sessiongeber, wenn die Anwesenden mitdiskutieren
– durch die Diskussionen in den Sessions und auch durch die Twitterbegleitung der Sessions finden sehr viele spannende Gespräche statt (online und offline)
– manchmal ergeben sich Sessionvorschläge auch aus Gesprächen und Diskussionen am ersten Tag (so zum Beispiel meine Session mit Heinz Wittenbrink beim Content Strategy Camp in Dieburg und meine Session mit Norbert Tuschen und Timo Stoppacher beim Barcamp Düsseldorf)
– weil die Teilnehmer das konkrete Programm erst am jeweiligen Tag gemeinsam planen, ist das Format hochaktuell, sehr flexibel und läßt viel Raum für Spontanität.

Ja, klar – nicht alle Sessionthemen sind immer für mich interessant. So manche Sessionrunde habe ich auch plaudernd verpaßt – aber manchmal sind die persönlichen Gespräche, die sich zufällig ergeben – für den Moment wichtiger. Es sind oft Gespräche, die zu neuen Ideen oder Projekten führen, die Kontakte aufbauen oder vertiefen.

Die Schwachstellen …..
Natürlich haben Barcamps auch Schwachstellen. Ole Wintermann hat schon 2012 in einem Blogbeitrag einige benannt, Torsten Maue hat in seinem Blogbeitrag weitere „Baustellen“ aufgelistet, die ich in einem gewissen Ausmaß auch so erlebe.

Verbindlichkeit und Anspruchsdenken?
Die Finanzierung von Barcamps und damit zusammenhängend die Preisgestaltung bei den Barcamptickets sind sicherlich komplexe Themen, zu denen es viele unterschiedliche Meinungen gibt. Das grundsätzliche Problem bei „gekauften“ Tickets ist ein manchmal entstehendes Anspruchsdenken der Teilnehmer – sowohl im Hinblick auf „erwarteten Service“ als auch auf „Übertragbarkeit“ oder „Erstattung“ von Tickets. So ärgerlich kurzfristige Absagen oder zahlreiche spontan Ausbleibende („No Shows) sind, so wenig führt eine Ticketgebühr automatisch zu mehr Verbindlichkeit. Der gezahlte Preis erweckt manchmal eher den Eindruck, daß man ja – wie mit einer Konzert- oder Theaterkarte – damit machen kann, was man will. Das „Gemeinsame“ des Barcamps scheint manchmal in den Hintergrund zu rücken.

Themenvielfalt?
Nach zwei Jahren Barcamps sind mir viele Themen und die dazugehörigen Akteure bereits bekannt. Auch wenn es sicher immer wieder neue Entwicklungen/neue Tools gibt, ist eine vierteljährliche Teilnahme an einem bestimmten Thema nicht so wirklich spannend. Das gilt natürlich auch für meine Themen. Für mich selbst habe ich mir daher die Aufgabe gestellt, immer wieder neue Themen zu erarbeiten. Gerade die Diskussionsthemen (siehe oben) waren insofern für mich wirklich spannend!

Begrenzt durch die Filterbubble?
Interessanterweise habe ich den Aspekt „Themenvielfalt“ auf den Barcamps in meiner Region (Köln und Düsseldorf) stärker wahrgenommen als in Dieburg. Warum? Weil ich in Köln und Düsseldorf natürlich viele Teilnehmer (und ihre Themen) schon kannte. Gerade die abweichende Zusammensetzung des Teilnehmerfelds in Dieburg hat zu neuen Gedanken, Gesprächen und Diskussionsthemen geführt. So schön es ist, bestehende Kontakte zu vertiefen (und ich möchte das nicht missen!), so wichtig ist es auch, immer wieder über den persönlichen und thematischen Tellerrand hinauszuschauen. Das ist mir in Dieburg bei dem langen abendlichen Gespräch mit Heinz Wittenbrink sehr klar geworden.

Mut zu Neuem?
Es ist nicht nur die Themenvielfalt an sich, die mich manchmal beschäftigt, es ist auch der Mut, neue Sessionformen anzubieten und auszuprobieren. In den letzten zwei Jahren habe ich schon ein besseres Gespür entwickelt, herauszuhören, was sich hinter den jeweiligen Sessionvorschlägen versteckt. Gut gemachte Vorträge höre ich mir (wenn die Themen mich interessieren) durchaus an, aber noch verlockender sind oft Diskussionssessions oder auch „Testläufe“ mit anderen Formaten. Dazu gehören natürlich zwei Seiten – die mutigen Sessionanbieter (wobei zu manchem Format oder Testlauf auch einiges an Vorbereitung gehört) und die mutigen Sessionteilnehmer. Ein Thema, an dem ich auch (auf beiden Seiten) noch arbeiten muß …..

Und danach?
Christian de Vries spricht mit seinem Blogbeitrag einen wunden Punkt an. Ich schreibe eigentlich relativ selten über die von mir besuchten Barcamps. Während des Barcamps twittere ich live und mit großer Ausdauer, nach dem Barcamp überlege ich mir zwar noch, welche Aspekte sich für einen Blogbeitrag eignen, aber meistens bleibt es bei dem Gedanken. Und zu meiner Verteidigung sage ich mir dann immer, daß es besser ist keinen Beitrag zu schreiben als einen schlechten Beitrag …….

Aber – und da treffen sich die Beiträge von Christian de Vries und von Torsten Maue mit der Frage von Insa Künkel – wie können wir Neuen das Barcampformat so schildern, daß sie auch voller Vorfreude und Neugier teilnehmen, ihre Themen und Fragen einbringen und gemeinsam mit uns immer wieder etwas Neues gestalten? Wir können natürlich Blogbeiträge schreiben, wir können aber auch über andere Wege nachdenken – auch über Wege, die uns das Schreiben von Blogbeiträgen oder Beiträgen in Netzwerken erleichtern. Ein möglicher Weg sind die sessionbegleitenden Etherpads, die bei manchen Barcamps eingerichtet und betreut werden. Gut gefallen hat mir auch das Storify von Ralf Neuhäuser, das die Session von Ulrike Zecher zusammenfaßt. Vermutlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, wie wir attraktive Berichte über Barcamps und Sessions „verfassen“ können. Der „Bericht“ ist aber nur eine Seite.

Die langfristigen Wirkungen ….
Ein Barcamp ist erst einmal ein einzelnes Ereignis. Aber die Menschen, die sich dort begegnen, miteinander diskutieren, sich über Twitter oder andere Netzwerke verbinden, begegnen sich auch an anderen „Orten“ (online und offline). Angefangene Gespräche werden weitergeführt, neue Themen und Aspekte kommen hinzu – oft entstehen Ideen für gemeinsame Aktivitäten und manchmal auch konkrete Projekte. Dieser Teil läßt sich manchmal aus den Barcampberichten herausfühlen, selten wird er jedoch konkret angesprochen. Vielleicht sollten wir auch diese Geschichten einmal erzählen – denn auch damit könnten wir Menschen begeistern!

Mein Fazit
Ja, ich bin fasziniert von Barcamps. Aber ich habe gelernt, daß ein für mich gutes Barcamp zu einem gewissen Ausmaß auch davon abhängt, was ich in das Barcamp „reinstecke“ und wie offen ich für neue Kontakte, neue Themen und neue Erfahrungen bin. Im besten Fall ist es eine gelungene Gratwanderung zwischen dem Neuen und dem Vertrauten, im schlimmsten Fall entweder fremd oder langweilig. Aber „richtig schlimm“ war es bisher noch nie!

Twittern in englischer Sprache? Ein Experiment!

Gelegentlich finde ich in meiner deutschsprachigen Twittertimeline Tweets in fremden Sprachen. Manchmal sind es Tweets in Sprachen, die ich verstehe, manchmal aber auch nicht. Auf den ein oder anderen englischsprachigen Tweet habe ich bisher schon reagiert – allerdings immer mit dem „unguten“ Gefühl, daß es zwei gedankliche Hindernisse gibt:
(1) Tweets in Fremdsprachen passen nicht wirklich in meine deutschsprachige Timeline
(2) Fremdsprachige Follower haben eigentlich keinen Grund mir zu folgen, da ich eben überwiegend in deutscher Sprache twittere.

Mehrere Sprachen in einem Twitteraccount?
Auf den ersten Blick erscheint es am einfachsten, tatsächlich in deutscher und englischer Sprache in einem Account zu twittern. Anfangs hatte ich das auch so überlegt und einen Account auch mit einer englischsprachige „Bio“ angelegt. Irgendwie ist es dann nur selten dazu gekommen. Zwar habe ich an einem englischsprachigen MOOC teilgenommen, der größte Teil meines Twitteraustausches fand trotzdem in deutscher Sprache statt. Das war vielleicht auch gut so, denn in meiner Muttersprache konnte ich – ohne allzu großes Nachdenken über sprachliche Feinheiten und Fallen – Twitterkontakte aufbauen und spannende Twittergespräche führen.

Trotzdem finde ich den Gedanken, nicht nur in deutscher Sprache zu twittern, sehr attraktiv. Ich habe also länger überlegt, wie ich am besten vorgehe. Den Gedanken, im Rahmen eines Accounts in mehreren Sprachen zu twittern, habe ich nach längerem Überlegen verworfen. Ja natürlich, die meisten deutschsprachigen Twitterer werden verstehen, was ich in englischer Sprache schreibe. Im Hinblick auf andere Sprachen (ich liebäugele „heimlich“ mit Französisch und Spanisch) sieht das schon anders aus. Und potentielle Follower aus anderen Ländern, werden selber eher selten gute Deutschkenntnisse haben.

Ich selbst habe für mich die Erfahrung gemacht, daß Tweets in Sprachen, die ich so gar nicht verstehe, mich schon irgendwie „stören“. Ein Tweet in einer Sprache, die ich weder spreche noch verstehe, erreicht mich nicht. Ich kann weder angemessen reagieren noch sonst irgendetwas damit tun. Einzelne Tweets gehen sicherlich in der Menge unter, je mehr Tweets ich jedoch in einer mir unbekannten Fremdsprache sehe, desto weniger fühle ich mich angesprochen. Insofern ist eine „Mischung von Sprachen“ nur dann spannend, wenn die Empfänger/Leser dieselben Sprachen beherrschen.

Ein eigener englischsprachiger Twitter-Account?
Gedanklich folgte für mich aus meinen Überlegungen, daß ich mir einen eigenen englischsprachigen Twitter-Account zulegen „muß“. Den Gedanken hatte ich schon vor einiger Zeit, umgesetzt habe ich das Projekt erst vor ein paar Tagen.

Über meinen neuen Twitternamen hatte ich natürlich auch nachgedacht. Es war mir einerseits wichtig, daß mein Name darin vorkommt, andererseits wollte ich (da ich langfristig auch in anderen Fremsdsprachen twittern möchte) für mich ein „Sprachkürzel“ anfügen – für Englisch also „en“. Herausgekommen ist dann: @AChristofori_en

Die Registrierung bei Twitter überraschte mich etwas – liegt es daran, daß meine letzte Registrierung schon länger her ist (und ich die „Tücken“ vergessen habe) oder hat sich da etwas geändert? Jedenfalls sollte ich – nach den persönlichen Daten – meine Interessenfelder angeben. Trifft man dort eine Auswahl, so bekommt man „Celebrities“ aus diesen Bereichen vorgeschlagen, denen man sofort folgen sollte. Ich fand die Auswahl für mich nicht passend. Leider sah ich keine Möglichkeit, mit einem einfachen Klick, diese Vorschläge abzulehen – ich mußte jeden einzelnen Vorschlag wegklicken (es waren 40 …..).

Das eigentliche Experiment ….
Da war er nun – mein erster englischsprachiger Twitteraccount. Ich habe einen ersten Tweet formuliert und mir überlegt, wem ich denn folgen könnte. Hier tauchte die eigentliche Herausforderung auf: es gibt natürlich viele Themen, die mich interessieren und mir sind auch sofort ein paar „Namen“ eingefallen, aber persönliche Kontakte zu englischsprachigen Twitterern habe ich (bisher) nicht. Das macht das „Ankommen“ schwieriger.

Seit meinem Start am 16. September habe ich 7 Tweets geschrieben (davon 2 Antworten), ich folge 48 Twitterern, zwei davon folgen mir auch. Zwei weitere Twitterer folgen mir, deren Inhalte mich persönlich aber nicht ansprechen. Die Inhalte in meiner englischsprachigen Timeline sind spannend – aber im Moment eher „unpersönlich“.

Wie wird es sich entwickeln? Meine deutschsprachigen Twitteraccounts sind natürlich langsam und über einen langen Zeitraum gewachsen. Trotzdem war es „dort“ einfacher, weil mir bei Barcamps, Konferenzen und anderen Veranstaltungen immer mal wieder Menschen begegnet sind oder weil die Diskussion bei Twitter über ein Barcamp/eine Konferenz zu Twitteraustausch und damit zu neuen Kontakten geführt hat. Diese Ebene fehlt bei meinem Experiment natürlich. Läßt sich trotzdem ein persönliches und von Dialog geprägtes Twitternetzwerk aufbauen? Ich bin gespannt und stelle mir natürlich auch die neugierige Frage, wie es wohl aussieht, wenn ich das Ganze mit Französisch oder Spanisch ausprobiere …….

Twitter und die Relevanz unerwünschter Inhalte ….

Seit 2009 nutze ich Twitter. Gerade in den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mir eine spannende Timeline aufgebaut, in der ich Inhalte finde, die mich interessieren, die mich „stören“ und die mich zum Nachdenken anregen. Im Laufe der Zeit habe ich über Twitter viele gute Gespräche geführt – gerade auch da, wo ich mich mit völlig anderen Ansichten und Lebenserfahrungen auseinander gesetzt habe. Auch wenn „meine“ Zusammenstellung sicher nicht perfekt ist, so habe ich im Laufe der Zeit doch ein gewisses Gefühl für wichtige Strömungen und ein gewisses Grundvertrauen in meine Timeline und die darin angesprochenen Themen entwickelt. Dieses gute Gefühl beruht zu einem großen Teil darauf, daß ich eben nicht „jedem“ folge und durchaus Zeit und Sorgfalt in die Zusammenstellung meiner Timeline stecke.

Und jetzt?
In den letzten Wochen mehren sich die Anzeichen, daß unangenehme Neuerungen ins Haus stehen. Unangenehm deshalb, weil die von Twitter angedachten „Neuerungen“ meine Auswahl und Autonomie in Frage stellen. Auf Twitter selbst findet man mittlerweile eine „erweiterte“ Beschreibung der „Timeline“. Irritierend ist dabei für mich vor allem der dritte Absatz:

Außerdem fügen wir möglicherweise auch einen Tweet, einen Account, dem Du folgen solltest oder sonstige beliebte bzw. relevante Inhalte zu Deiner Timeline hinzu. Das bedeutet, dass Dir manchmal Tweets von Accounts angezeigt werden, denen Du nicht folgst. Wir wählen jeden Tweet anhand vieler Faktoren einschließlich der Beliebtheit und der Interaktion von Personen in Deinem Netzwerk damit aus. Unser Ziel besteht darin, Deine Timeline auf der Startseite noch bedeutungsvoller und interessant zu gestalten.

Neben einer Zunahme von gesponsorten Tweets (die in der Timeline-Beschreibung auch ausdrücklich erwähnt werden) drohen also weitere „fremde“ Inhalte. So tauchen wohl mittlerweile fremde Tweets, die von Followern ein „fav“ erhalten haben, in manchen Timelines auf. Nach ersten Berichten sind viele Twitternutzer wenig begeistert. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es zunehmend Berichte über die möglichen Neuerungen und die Reaktionen der Nutzer.

Fremde Inhalte – na und?
Bisher sind die in den Berichten erwähnten Änderungen in meiner Timeline noch nicht aufgetaucht – und darüber bin ich auch sehr froh. Trotzdem habe ich über dieses Thema in den letzten zwei Wochen intensiv nachgedacht. Ganz klar: über die möglichen Neuerungen freue ich mich nicht. Für gesponsorte Tweets habe ich – unter dem Aspekt der Finanzierung – Verständnis. Ich würde mich zwar über andere Modelle (zum Beispiel eine bezahlte „werbefreie“ Timeline) freuen, aber in einem gewissen Sinn ist Werbung die „Kröte“, die ich für die kostenfreie Nutzung von Twitter halt „schlucken“ muß. Aber damit hört mein Verständnis auch schon auf. Ich möchte weder Tweets, die von Menschen aus meiner Timeline gefavt wurden noch „beliebte“ oder „relevante“ Inhalte von Personen erhalten, denen ich bisher nicht folge. Warum?

Twitterer nutzen die Fav-Funktion sehr unterschiedlich. Manche drücken darüber ihr Einverständnis aus, ihr Schmunzeln über lustige Sprüche oder Begegebenheiten, andere wiederum nutzen Favs, um Links oder Tweets für später zu „merken“ oder direkt (zum Beispiel in Evernote) zu speichern. Ich selbst unterscheide für mich sehr deutlich, ob beziehungsweise wie ich auf einen Tweet reagiere. Ein „Fav“ ist für mich eher eine Interaktion im Dialog – ein kleines Dankeschön, ein virtuelles Lächeln oder Winken. Diese Dialoginteraktion ist natürlich auch für andere sichtbar – für Tweetdecknutzer zum Beispiel in der Spalte „Activity“. Es ist aber ein Unterschied, ob etwas für andere „sichtbar“ ist oder ob sie es „ungewollt“ in ihrer Timeline finden. Wenn ich etwas in die Timeline meiner Follower bringen möchte, dann entscheide ich mich bewußt für einen Retweet. Diese – bewußte – Entscheidung übergeht Twitter, wenn plötzlich gefavte Tweets in der Timeline auftauchen. Und ganz ehrlich: gerade eben habe ich mir auch die Frage gestellt, ob ich unter dieser Maßgabe die Fav-Funktion überhaupt noch nutzen möchte ……

Noch ärgerlicher finde ich den Gedanken, daß völlig fremde Tweets in meiner Timeline auftauchen, weil es sich um „beliebte“ oder „relevante“ Themen handelt. Gerade die Erklärung von Twitter, daß die Auswahl von vielen Faktoren – unter anderen Beliebtheit und Interaktion von Personen in meinem Netzwerk – abhängt, bereitet mir Bauchschmerzen. Meine Timeline ist sehr bunt und enthält damit auch immer wieder Themen, die ich „freundlich ignoriere“, weil sie mich persönlich nicht berühren, aber mich bei den Menschen in meiner Timeline auch nicht stören. Spontan fallen mir Themen wie Fußball, Fernsehsendungen à la „Bachelorette“ und Twitter-Chats wie zum Beispiel der #edchatde ein. Zu den entsprechenden Zeiten sind diese Themen in meiner Timeline sehr beliebt und es finden dazu viele Interaktionen statt. Trotzdem sind diese Themen für mich nicht relevant. Ein „mehr“ an Tweets zu diesen Themen ist daher eher abschreckend als „bedeutungsvoll und interessant“.

Angst vor fremden Inhalten?
Schon im August hat Daniel Fiene in einem Blogpost gefragt, ob wir Angst vor fremdem Wissen haben. Grundsätzlich eine gute Frage – aber gleichzeitig auch eine Frage, die den Kern des Problems für mich nicht trifft. Es ist kein „Angebot“ von Twitter, mir zusätzlich – wenn ich denn will – interessante Inhalte vorzuschlagen. Damit hätte ich kein Problem und vermutlich würde ich (aus Neugier) eine solche zusätzliche Spalte sogar bei Tweetdeck einrichten. Es ist nicht die Angst vor den Inhalten oder dem damit verbundenen Wissen – denn auch Retweets dieser Inhalte könnten ja jederzeit in meine Timeline kommen – sondern das Nichtachten meiner Auswahl. Es mag durchaus sein, daß mir gelegentlich spannende Themen und Inhalte entgehen und daß es Menschen gibt, denen ich unbedingt auch noch folgen sollte. Meine bisherige Erfahrung mit Twitter ist, daß mich wichtige Themen „irgendwie“ erreichen. Für mich reicht das – vor allem, da ich Twitter mehr zum Gespräch als zur reinen Information nutze. Insofern stört es mich, wenn Twitter (oder ein anderer Dienst) mir nicht nur Vorschläge macht, sondern tatsächlich über die Werbung hinaus in „meine“ Timeline eingreift. Letztendlich hat @PickiHH recht, wenn sie schreibt „Es ist halt eben nicht DEINE Timeline, sondern Twitters Timeline“.

Gerade eben habe ich noch ein „Beispiel“ entdeckt, wie gravierend die Auswirkungen sein können. Das konkrete Beispiel macht mich gerade nachdenklich und ratlos. Jeder „unerwünschte“ Tweet ist eigentlich schon ein Tweet zuviel – aber gar 40%?

Unerwünschte Inhalte sind ….
…. halt unerwünscht. Es ist der Gedanke der „Zwangsbeglückung“, die Idee des „wir wissen besser als Du selbst, was Du lesen möchtest“, der mich stört. Genauso genervt bin ich, wenn Anrufer mir Wein und Teppiche anbieten. Die üblichen „cold calls“ eben. Ähnlich genervt wäre ich, wenn ich mir im Fernsehen eine Dokumentation anschauen möchte und mir plötzlich stattdessen – mit der Begründung „Dein Netzwerk schaut das“ – eine völlig andere Sendung eingeblendet werden würde. Der unerwünschte Inhalt ist ein Störfaktor und gerade bei Twitter empfinde ich den Störfaktor stärker, weil es „bisher“ anders war (in meiner Timeline noch anders ist).

Die Folge?
Noch habe ich die Hoffnung, daß sich Twitter eines Besseren besinnt (und die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt). Insofern denke ich weder an Weggang noch an Streik. Natürlich werde ich die Entwicklung und meine Timeline jetzt kritischer beobachten. Enttäuscht bin ich trotzdem, denn ich habe den Eindruck, daß Twitter selbst den eigenen Vorteil gegenüber anderen Plattformen überhaupt nicht verstanden hat. Schade! Aber vielleicht ist Twitter ja lernfähig, denn unerwünschte und damit „kalte“ Tweets sind eben nicht für alle Nutzer bedeutungsvoll und interessant.